Das Ende des Gold Futures Marktes
Steht das Ende des Marktes für Gold Futures bevor? Ich habe vor einigen Tagen einen sehr interessanten Artikel von Professor Antal E. Fekete gelesen (Dress rehearsal for the last contango), der jetzt auch auf Deutsch verfügbar ist (Generalprobe für den letzten Kontango). Dort schreibt Fekete, dass es aufgrund der immer geringer werdenden Menge an physischem Gold zu einer permanenten Backwardation bei den Gold-Futures kommen wird. Und weiter: “Physisches Gold wird zu keinem Preis – die betreffende Währung lautet diesmal, ja, US-Dollar – erhältlich sein. Wird der US-Dollar Schulter an Schulter mit dem zimbabwischen Dollar stehen? ”
Normalerweise halte ich nicht allzu viel von solchen Weltuntergangsszenarien. Aber jetzt hat Barrick Gold, die größte Goldminengesellschaft der Welt, eine satte Kapitalerhöhung von $4 Mrd. und somit weit über 10% des bisherigen Börsenwertes durchgeführt. Was machen sie mit dem Geld? Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass das Papiergeld nicht mehr viel oder zumindest weniger als Gold wert ist. Sie haben angekündigt, ihre Hedging-Bücher in den nächsten zwölf Monaten zu schließen. Das sogenannte “Hedging” der Goldminenbetreiber ist ein Verkauf von Gold zu einem bestimmten Preis mit der Verpflichtung zu einer zukünftigen Lieferung, z.B. über Gold Futures (meiner Meinung nach nichts anderes als naked short selling von Gold, das zum Zeitpunkt des Verkaufes – im besten Fall – in der Erde liegt und somit noch gar nicht verfügbar ist).
Auf der Gegenseite, d.h. bei den Käufern der Futures Kontrakten, befinden sich sicherlich viele, die die Futures gekauft haben, um nach dem Verfall der Kontrakte physischen Gold gelierfert zu bekommen. Sie bekommen jetzt Papiergeld, sofern sie den aktuellen Preis akzeptieren. Warum sollten sie in Zukunft also noch Longpositionen in den Futures eingehen? Wenn schon die Goldproduzenten kein physischen Gold mehr liefern wollen oder können, wie sollen die Käufer erst den anderen (Leer-) Verkäufern trauen? Und wo liegen neben den Hedges der Goldproduzenten die Shortpositionen? Bei JPM & Co. Und was glaubt Ihr, können die physisches Gold liefern? Wenn das physische Underlying nicht verfügbar ist, gibt es keine vertrauenswürdigen Verkäufer und als Folge keine Käufer. Der Futures Markt ist dann am Ende und Preise von $1000 pro Unze sind Geschichte.
Ich verstehe nicht, was der Prof. da jetzt genau sagen will. Da bin ich wohl nicht intelligent genug. Will er sagen, dass wenn der Future Markt zusammenbricht, man keinen Wert mehr für das Gold bestimmen kann und deshalb keiner mehr sein Gold hergibt?
Nein, der Preis für physisches Gold wird über den Spot-Markt (z.B. in London) bestimmt. Die Futures enthalten neben dem aktuellen Spot-Preis auch noch die Kosten für Lagerung, Versicherung, Transport, usw. sowie den spekulativen Anteil bis zum Datum des Verfalls des Futures, d.h. der Lieferung des Goldes.
Es geht in dem Artikel um den denkbaren(?) Fall, dass niemand mehr physisches Gold gegen in sich wertlose Papier-US-Dollar tauschen möchte, d.h. es gibt gar keinen Preis mehr (zumindest nicht in USD). Und wenn das der Fall sein sollte, dann gibt es auch keine (in USD gehandelte) Futures mehr.
Gold ist aber mehr, als irgend ein anderer Rohstoff. Gold wird seit Jahrtausenden auch als eine Art Währung angesehen, d.h. es hat eine große monetäre Komponente. Sollte niemand mehr Gold gegen Dollars tauschen wollen, wäre das nicht nur das Ende des Future-Marktes (das wäre wohl zu verkraften), sondern das Ende des Dollars. Letzteres dürfte größere Probleme für die Welt wie wir sie kennen nach sich ziehen.
Ich glaube, dass die leichtere Kaufbarkeit von Gold durch die Gold-ETFs den Markt u.U. in die Enge treiben könnte. Es hat halt bisher niemand ernsthaft Gold gekauft. Gerade die großen Vermögensverwalter (Allianz, Fidelity, …) hatten aus rein praktischen Überlegungen kein Gold (wo lagern?). Die kleinen auch nicht. Für all diese lösen die Gold-ETFs ein großes Problem. Wenn man sich die weltweiten Vermögen anschaut und die Menge des in der gesamten Geschichte der Menschheit gefördeten Golds (153.000 Tonnen), sieht man ein krasses Missverhältnis. Das ist ein Wert von ingesamt 3,5 Milliarden Euro. Das ist ein Bruchteil des Gesamtwerts des amerikanischen Aktienmarkts. Ein Bruchteil des amerikanischen Immobilienmarkts. Ein Bruchteil der amerikanischen Schulden. Wenn sich die Anleger der Welt entschließen sollten, 5% (oder sogar noch mehr) in Gold halten zu wollen, kann es nur eine Lösung geben: Der Goldpreis geht durch die Decke!
Die Futuresmärkte in den Edelmetallen sind eh schon lange total verzockt. Das waren die Märkte schon 1980 bei den Hunts. Die sind mit ihrem Corner auch nur deshalb auf die Nase gefallen, weil der Staat die Regeln umgeschrieben hat und die Hunts so ihre Futures nicht mehr ausliefern lassen konnten. Und genau das wird der Staat auch dieses Mal machen: Gold verbieten (oder die ETFs …)
Ich habe nie etwas anderes behauptet. Auch ich gehe davon aus, dass es konfisziert werden wird.
Die einzige Alternative ist, sein Gold und Silber irgendwo einzubuddeln und zu hoffen, dass das Verbot noch zu Lebzeiten wieder aufgehoben wird.
Vielleicht sind auch Aktien der hedge-freien Goldproduzenten eine Möglichkeit, am großen Rausch Teil zu haben.
@egghat
Du hast nen Rechenfehler, wenn die 153.000 Tonnen stimmen.
153.000 Tonnen sind 153.000.000.000 Gramm Gold
153.000.000.000 Gramm Gold / 31,1 Gramm (Unze) = 4.935.483.871 (Mrd.) Unzen
4.935.483.871 Unzen * 1.000 $ = 4.935.483.871.000 $ also knapp 5 Billionen!
Achja wenn Gold verboten wird, wird es nur umso Wertvoller ;)
Drogen sind schließlich auch verboten, trotzdem blüht der Handel damit :>
Na klar wäre Gold durch ein Verbot noch wertvoller, und auch würde es einen mehr oder weniger funktionierenden Schwarzmarkt geben. Das gibt es heute bei Drogen, das gab es während der Prohibition beim Alkohol und auch während des letzten “Gold-Verbotes” in den USA von 1933 bis Anfang der 70er (oder in China bis 2003). Allerdings brauchst Du es in physischer Form und nicht als ETF oder CFD. Und richtig entspannt Shoppen gehen kannst Du dann damit auch nicht.
Natürlich kann man damit nicht entspannt shoppen gehen, aber man kann es dann bestimmt gegen ein Haus oder Auto tauschen und somit “waschen”.
Oh, 3,5 Billionen soll es natürlich heißen (ich hatte in Euro gerechnet, deshalb komme ich auf 3,5).
Das entspricht etwa 20 oder 30% des US-Aktienmarkts und etwa 10 % des US-Immobilienmarkt. Und über alle anderen Immobilien- und Aktienmärkte habe ich da noch nicht nachgedacht.
Alles in allem stellt Gold im Moment nicht wirklich einen wichtigen Teil der weltweiten Vermögen dar. Denn signifikante Teile des Goldes werden nie auf den Markt kommen. Sollten die Anleger 5% ihrer Vermögen in Gold umschichten, muss der Goldpreis durch die Decke gehen. Das ist IMHO sicher. Die Frage ist nur, ob die Anleger so umschichten.
10% des US-Immobilienmarktes ist schon viel, denn wieviel echtes “Vermögen” steckt wohl in der Gesamtheit Immobilien? Vieles ist komplett auf Pump oder “under water”. Und sollte der Goldrausch losgehen, dann werden sich bestimmt viele “Anleger” auf das Gold stürzen.