Wann kommt die Kapitulation?
Die Frage ist, kommt sie überhaupt? Der Markt befindet sich zur Zeit in einem scheinbar endlosen Niedergang. Trader weltweit achten ausschließlich auf ihr Geld- und Risikomanagement. Spekulationen auf eine baldige Trendwende und die damit verbundenen größere Käufe sind weder bei privaten noch bei institutionellen Tradern zu sehen. Die Bärenmarkt-Rallies dauern nur wenige Stunden und werden zum Abladen von noch bestehenden Positionen genutzt. So wurde der gestrige starke Handel zum Ende in den USA wieder abverkauft. Auch heute fehlt bisher das positive Momentum, so dass die langsamen und Nerv tötenden Kursverluste weiter gehen dürften.
Es scheint so, als würden alle gebannt vor den Monitoren sitzen und auf die Kapitulation der Trader warten, auf den Moment wo alle Aktienbestände ohne Rücksicht auf Verluste zum Verkauf auf den Markt geschmissen werden. Überlicherweise startet der Tag der Kapitulation mit einem deutlichen Gap Down und sich beschleunigenden Kursverlusten. Einige Stunden nach Handelseröffnung setzt dann eine rasche Erholung ein. Aber wird im aktuellen Bärenmarkt diese Kapitulation, auf die alle warten, überhaupt kommen? Wenn wirklich alle darauf warten, wird sie wahrscheinlich nicht kommen – oder erst dann, wenn keiner mehr daran glaubt.
Was könnte der Auslöser für eine Kapitulation sein? Noch eine Pleite einer großen Bank? Viele gibt es ja nicht mehr, nachdem in jüngster Vergangenheit die Aktien der Citigroup und der Bank of America weit unter $5 gefallen sind, und Probleme bei den mächtigsten Insidern Goldman Sachs und JPMorgan sind sehr unwahrscheinlich. Was also könnte die Trader weltweit in Panik versetzen?
Gestern hat die Vorsitzende der FDIC gesagt, dass der amerkianische Einlagensicherungfond mehr Geld von den übrig gebliebenen Banken benötigt, um eine Insolvenz noch in diesem Jahr abzuwenden (Bair Says Insurance Fund Could Be Insolvent This Year, Bloomberg). Aber diese News ist damit bereits eingepreist, und vermutlich werden die amerikanischen Bürger in dem Fall einer insolventen FDIC ganz andere Probleme haben, als fallende Aktienkurse. Wir in Europa wahrscheinlich auch.
Aber wie wäre es mit einer überraschenden Horror-Nachricht von General Electric? Die Aktie hat alleine seit Jahresanfang 61,8% ihres Wertes verloren. Steckt der Mischkonzern mit seiner Finanzabteilung im Inneren wirklich so tief in Schwierigkeiten, wie es der Aktienkurs vermuten lässt? Eine drohende Insolvenz von General Electric wäre jedenfalls ein ausreichender Anlass für eine Kapitulation.

General Electric ist ein Kandidat, den man im Stillen öfter einmal hört. Käme es zu einer solchen Pleite, wäre die Verunsicherung sicher noch größer, als nach Lehman: Der Markt hätte kein Vertrauen mehr in die Liquiditätsversorgung, momentan kann man bei Banken zumindest hoffen, dass das Geschäft wieder einigermaßen läuft. Weiterhin würde sich die Verunsicherung auf weitere Branchen ausweiten und viele kurzfristigen Finanzierungsmöglichkeiten wie Zielgeschäfte etc. wegfallen.
GE ist am Ende irgendwie wie AIG: Es gibt einen gesunden Teil (AIG-Lebensversicherung, GE Fertigung) und einen Teil, der eigentlich nur ein Hedgefonds ist.
GE ist mir schon seit einem Jahrzehnt suspekt. Jedes Quartal steigende Gewinne, das schreit ja gerade nach Beschiss.
Meinst Du, GE ist vielleicht auch ein Ponzi Scheme?