Bei egghat wird im Beitrag Zahl des Tages (12.12.2008): 45 gerade über die Unfähigkeit eines Analysten von Goldman Sachs diskutiert, der mit seinen Prognosen zur Entwicklung des Ölpreises nicht viel weiter daneben liegen konnte. Am Hoch von $140 prognostizierte er einen baldigen Preis von $200 pro Barrel, jetzt am Tief sieht er $45 als Kursziel. Andere Häuser sehen einen Preis von $25 in naher Zukunft. egghat fragt sich, wie man mit solchen schlechten Prognosen Geld verdienen kann.

Leute, Leute, nicht so voreilig. Der Mann bekommt für das was er macht Geld, und zwar viel Geld. Wäre er wirklich derart unfähig, wie ihm unterstellt wird, wäre er vermutlich schon längst gefeuert worden. Wir Menschen neigen dazu, in so einem Fall schnell davon aus zu gehen, dass wir es mit einem kompletten Idioten zu tun haben. Schön, es gibt was zu lästern. Aber ist der Analyst wirklich so ein Idiot, der von seinem Job nichts, aber auch gar nichts versteht?

Von wem bekommt jemand mit so “schrottigen Prognosen” so viel Geld? Von Goldman Sachs, seinem Arbeitgeber. Wessen Interessen vertritt er also? Neben seinen eigenen vermutlich vornehmlich auch die von Goldman Sachs.

Der Mann ist doch nicht ein höchstbezahlter Mitarbeiter von Goldman Sachs, um uns kleinen Würstchen in der Welt eine möglichst zutreffende Prognose zum Ölpreis kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und mal ganz nebenbei: Niemand kann die Preisentwicklung korrekt vorher sagen. Wenn dann sind es also nur zufällige Treffer. Das weiß man natürlich auch bei Goldman Sachs.

Was geschah also, als der Ölpreis bei $140 lag? Eine Topbildung war zu erkennen oder aber mindestens zu vermuten. Der Ölpreis war weltweit auf den Titelseiten der wichtigsten Boulevard-Zeitungen. Ein Eingreifen der Politik wurde bereits überall gefordert.

Um riesige Volumina an Futurekontrakten und Aktien aus dem Energiesektor zu Höchstkursen abstoßen zu können, muss aber unbedingt auf diesem hohen Niveau die Nachfrage aufrecht gehalten werden?

Und wie machen Banken und Fonds das? Indem der zuständige Analyst der ahnungslosen, nicht nachdenkenden und alles fressenden Finanzpresse eine Prognose von $200 pro Barrel unterjubelt. Und wenn anschließend die gierige Meute der ahnungslosen Trader zu Höchstpreisen weiter kaufen will, dann nichts wie raus mit dem Mist. Also, wer ist der Idiot?

Genau so läuft es jetzt. Ich denke die Banken und Fonds werden intern mit einem mittelfristigen (12-18 Monate) Ölpreis von $70 bis $80 rechnen. Das ist zumindest meine Arbeitshypothese. Um billig einkaufen zu können, muss natürlich zu diesen Schnäppchenpreisen das Angebot aufrecht gehalten werden. Also steckt man der Finanzpresse “Prognosen” von $45 oder sogar $25 zu.

Den wirklichen Inhalt der Nachrichten schreiben nicht die Journalisten, sondern die Banken und Fonds. Viele Journalisten der Finanzpresse verstehen sowieso nicht, was vor sich geht und sind dankbar für jede Neuigkeit inklusive einer nicht zu abwegigen Begründung – sie sind das inoffizielle aber sehr öffentliche Sprachrohr der Banken.

Die entsprechenden hauseigenen Handelsabteilungen der Banken und Fonds stecken sich zur Zeit vermutlich die Taschen mit allem voll, was irgendwie mit Öl zu tun hat. Bei einem Kurs von $80 lachen sie sich dann wieder über die Trader kaputt, die bei Preisen von $40 gesagt haben: “Die Analysten erwarten einen Ölpreis von $25. Ich verkaufe lieber schnell meine Aktien und ETFs aus dem Ölsektor.”

Der Analyst hat nur eine einzige Aufgabe: die hauseigene Handelsabteilung bei der Maximierung des Gewinnes zu unterstützen. Nochmal: Wer ist der Idiot?

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