Börsencrash und das Ende des Finanzmarktes? Wie geht es weiter?
OK, heute dürfte einer der interessantesten Börsentage seit mehreren Jahren werden. Am Freitag startete der Abverkauf in den USA. Asien und Europa, angestachelt durch das hoch professionelle Management der Krise bei der HRE, setzen den Verkaufsdruck fort und verstärken ihn sogar noch einmal. Der Markt wird uns meiner Meinung nach heute wieder eine Lektion aus dem Lehrbuch erteilen.
Ich weiß natürlich, dass es “den Markt” in dieser Art Personifizierung nicht gibt, er ist lediglich das Zusammenspiel von uns Tradern und unseren Trades. Aber ich denke, es wird “ihm” wieder gelingen, den nächsten Bullenmarkt mit möglichst wenig Passagieren an Board zu starten.
All diejenigen Bullen, die auf eine schnelle Verabschiedung des Bailouts spekuliert hatten, sind am letzten Montag wieder herausgespült worden. Genau so wie diejenigen, die während der letzte Woche auf eine Beruhigung des Marktes nach der Kongressabstimmung am Freitag gehofft hatten. Am Freitag dürften viele Bullen nach der Verabschiedung des Bail Outs verzweifelt das Handtuch geschmissen haben, als die Kurse erneut heftig abtauchten. Wenn man sich heute einmal die Schlagzeilen in der “etablierten” Presse oder auch bei den bloggenden Kollegen ansieht, dann herrscht pure Untergangsstimmung.
Wie gesagt, liegen Asien und Europa fett im Minus (außer VW natürlich…), und der Verkaufsdruck dürfte in der ersten Handelshälfte in den USA weiter anhalten oder zum finalen Crescendo anwachsen. Alle werden die noch vorhandenen Aktien entweder auf den Markt werfen, oder haben es bereits getan. Sie werden wie Kaninchen vor der Schlange erstarren und ungläubig auf die Kurse schauen. Es scheint wirklich niemand mehr daran zu glauben, dass die Dinge auch wieder besser werden können. Niemand ist investiert. Alle erwarten, dass die Krise immer schlimmer werden wird. Das sollte man ausnutzen.
Mein Plan für heute: Kaufen, kaufen, kaufen! Kaufen, was mir billig vor die Füße geworfen wird, aber natürlich nicht blind. Ich warte zuerst die Handelseröffnung in den USA ab. Wie gesagt, wäre für mich ein anhaltender Verkaufsdruck nicht überraschend. Um 16:30 – 17:00 Uhr sollte sich der Handel etwas beruhigen. Mit Argusaugen werde ich die Finanztitel beobachten, besonders diejenigen, die sich bisher gut gehalten haben (z.B. Goldman Sachs, JP Morgan, Bank of America). Sollten diese Titel zur Erholung ansetzen, ist das ein Anzeichen dafür, dass der Kreditring wieder in Fahrt kommt. Der Bulle ist dann nicht mehr weit. Eventuell sehen wir dann heute oder morgen sogar eine so starke Rally, dass alle weiter ungläubig auf die Kurse starren und keinen Einstieg mehr finden.
Mittelfristig wird die Kreditkrise dann wieder in den Hintergrund treten und durch neue Sorgen und Befürchtungen ersetzt werden (wieder steigender Ölpreis, steigender Dollar, steigendes Gold). Das ist dann der “Wall of Worry”, an dem der Bullenmarkt emporklettert. Da ich gleichzeitig davon ausgehe, dass wir die Tiefs bei Gold und Silber gesehen haben, stehen Silver Wheaton und Goldcorp ganz oben auf der Watchlist.


Du bist ja hart drauf!
(ich habe heute einen DAX-Call gekauft. Ich bin noch bekloppter).
Aber was ich mir auch vorstellen kann: Dyckerhoff Vz. als Abfindungspekulation. Oder Solar.
16:18 Uhr: Finaler sell off?
SLW notiert jetzt bei $6
Fuck off!
DAX -8 %
TecDAX -11,65%
Dow -5%
VW ist so genial. Hammerhart am Tageshoch, auch wenn die Welt untergeht.
Bald ist bestimmt der Einsatz des PPP gefragt ;)
Interessanter Ansatz. Genau das tue ich im moment auch auf dem US markt nach dem dipper von vorhin. POT erscheint mir spotbillig und natürlich die financials wie du bereits erwähnt hast.
Die Financials halte ich nicht für spottbillig. Die werden meiner Meinung nach dem nächsten Bullenmarkt hinterher hinken. Noch zu viele Probleme in den Büchern.
Ich denke da WFC oder ZION
Wie zu erwarten war, greift das Plunge Protection Team kurz vor Börsenschluß ein…und ich wette, dass der Dow über 10.000 Punkten schließen wird!
Das war tatsächlich sehr eindeutig, am Schluss wurde Kurspflege betrieben. Trotzdem wird es nichts nützen. Es geht hier nicht um irgendwelche Dot.com’s, sondern um das Vertrauen in das Bankensystem, dem Stütpfeiler unserer Wirtschaft. Man hat alles dafür getan, dieses Vertrauen zu eliminieren, z.B. die US-Regierung bei der Begründung des 700 Milliarden Pakets. Helfen kann nur noch eine internationale konzertierte Aktion, in Europa ist der erste Anlauf an nationalen Egoismen gescheitert. Stattdessen hat man den Einlegerschutz gestärkt, eine Massnahme, welche noch zusätzlich das Vertrauen in den Interbankenmarkt schwächt. Seien war ehrlich: die Banker waren zutiefst verantwortungslos und ethisch unter jedem Niveau. Man hoffte, man könne den schwarzen Peter im Ernstfall noch schnell an jemanden weiterreichen. Wie die Politiker jedoch jetzt auf die Krise reagieren, zeugt von einem völligen Unvermögen, mit dieser Situation umzugehen. Solange keine wirklich internationale Massnahme ergriffen wird, bleibe ich bearish. Und wenn das Vertrauen sich weiter abschwächt, dann…..