In einem Kommentar wurde ich gefragt, warum ich denke, dass die Aktienmärkte sich in einer Phase der Bodenbildung befinden. Ich nenne das ausdrücklich “Phase der Bodenbildung”, weil es sich um einen Prozess handelt. Natürlich wird es das eine Tief geben, aber das kann man nicht prognostizieren. Auch die folgenden Gedanken stellen keine Prognose dar, sondern eher meine Arbeitshypothese.

Als erstes einmal die Tatsachen. 1.) Die Kurse sind weltweit massiv zurückgekommen, bei den Finanzwerten vermutlich zurecht, in anderen Sektoren findet man bereits Schnäppchenpreise.

2.) Es gab bereits mehrere große Pleiten. Die Banken, die übrig sind, übernehmen gerade andere, die kurz vor dem Bankrott stehen. Das hat den Vorteil, dass die noch vorhandenen Risiken für einige Zeit weiter versteckt werden können. In der Zwischenzeit wird die mark-to-market Anweisung abgeschwächt, ja, ich vermute, ganz aufgehoben. Das gibt den übrig gebliebenen Banken Zeit, den Stall auszumisten und gestärkt aus der Krise hervor zu gehen.

3.) Das Sentiment könnte nicht schlechter, die Medienlage nicht reisserischer sein. Im Moment sitze ich vor dem TV: Kerner zur Finanzkrise, Anne Will zur Finanzkrise, in den Nachrichten nichts anderes, Blade schießt mit Silberkugeln, und auf RTL läuft eine Sendung von SpiegelTV, in der irgendwelche Leute für 2mg Gold den ganzen Tag lang im Rhein herum buddeln. Wann wurden die “dot.com” am meisten bejubelt? März 2000. Wann waren Immobilienpreise jeden Tag im U.S.-TV zu sehen, wann las Berichte darüber, dass irgendwelche Playboy-Häschen und Ex-Models aus der vierten Reihe als Immobilienmakler ein Heidengeld verdienten? Frühjahr 2006.

4.) Am Ende von Bullenmärkten und Bärenmärkten herrscht erhöhte Volatilität an den Märkten. Das haben wir zur Zeit. Bullenmärkte enden, weil keiner mehr Geld hat, um die völlig übertriebenen Kurse noch höher zu treiben, Bärenmärkte enden, weil alle auf Geld sitzen und keiner mehr verkaufen will. Im Moment wartet eine Menge Geld (2, 3, oder 4 Billionen Euro?) irgendwo in kurzfristigen Staatsanleihen (seht Euch die Renditen an) und Geldmarktfonds. Hinzu kommen die Milliarden über Milliarden die jeden Tag von den Zentralbanken frisch in die Märkte gepumpt werden.

Das derzeit vorherrschende Problem ist eigentlich “nur” der eingefrorene Kreditring zwischen den Banken, d.h. dass keine Bank einer anderen mehr etwas leiht, aus Angst, das Geld nie wieder zu sehen. Wenn dieser nicht langsam wieder in Fahrt kommt, wird es zum Super-GAU kommen, einem weltweiten Sturm von Pivatanlegern auf die Banken. Das wissen natürlich auch die beteiligten Finanzminister, Zentralbanken, und alle anderen Finanzinstitute. Ich gehe davon aus, dass alsbald eine konzertierte Aktion der genannten Institutionen statt finden wird, in der die Zentralbanken der G20 volle Garantien für den kurzfristigen Interbankenmarkt übernehmen. Genau das wird die Geburtsstunde des nächsten Bullenmarktes sein.

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