Bill Gross fordert: Der Staat muss dem Bürger unter die Arme greifen
So oder ähnlich lauteten gestern und heute die Schlagzeilen in der Finanzpresse. Bill Gross schrieb in seinem Investment Ausblick für September 2008 dass es nach dem Einbruch an den Rohstoffmärkten nun keinen einzigen Bullenmarkt mehr gebe und wir ein systematischen Abbau von Schulden durch Liquidation existierender Anlagen sehen. Unkontrolliert könne das ein “Lagerfeuer in einen Waldbrand verwandeln, einen milden Bärenmarkt in einen finanziellen Tsunami.”
Um das zu verhindern, müsse die Politik die Staatskasse öffnen und private Investoren ersetzen, die entweder über kein Geld verfügten oder nicht bereit seien, das entsprechende Risiko zu tragen. Das Geld solle unter anderen Fannie Mae und Freddie Mac zugute kommen, aber auch dem privaten Verbraucher zum Beispiel durch staatliche Subventionen und Garantien für die Rückzahlung von Hypotheken. So könne man den Bürgern unter die Arme greifen.
Wer ist dieser Gutmensch Bill Gross, der sich um das Wohlergehen der normalsterblichen U.S. Bürger sorgt, die mit ihrer Hypothek bis zum Hals (oder darüber hinaus) in Schulden stecken? Bill Gross ist der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pacific Investment Management Co. (Pimco), einer Tochtergesellschaft der Allianz. Mit vermutlich mehreren Fantastilliarden Dollar Anlagevermögen in seiner Verantwortung wird er ein entsprechendes Gehalt bekommen und nicht wirklich wissen, was eine finanzielle Notlage ist. Zumindest nicht als Privatperson.
Anders sieht es eventuell mit seinem Fond aus. In seinem Ausblick schreibt er auch, dass er sich im Laufe des letzten Jahres in sehr starkem Maß an Kapitalerhöhungen von neu aufgelegten Anleihen beteiligt hat, die jetzt alle fett im Minus sind. Darunter selbstverständlich auch haufenweise Papiere von Fannie Mae und Freddie Mac. “Was für ein Jammer für uns und alle anderen die zu früh gekauft haben” (z.B. die ausländischen Staatsfonds, SWF). Weder die SWF noch er seien bereit weitere Risiken einzugehen.
Die für ihn praktikabelste Lösung lautet: Der Staat (= die Steuerzahler) muss herhalten und als “neue Liquiditäts-Quelle mit dem Willen die Preise zu stützen” auftreten. Vermutlich meint er damit, dass am besten Fannie und Freddie verstaatlicht werden. Das hätte zur Folge, dass die eigentlichen Eigentümer – die Aktionäre – enteignet würden. Das ist ihm aber völlig egal, weil er keine Aktien hat, sondern Anleihen. Und die stiegen in diesem Fall. Wahrscheinlich würde er sogar den Staat dabei “unterstützen” und weiteres Geld in Fannie und Freddie anlegen. Na klar, vor allem wenn die Rückzahlung der Hypotheken vom Steuerzahler subventioniert und garantiert wird. Und dann am besten noch damit prahlen, man habe die Bürger der USA vor dem finanziellen Tsunami gerettet.
Wenn es um Dein Geld geht, darfst Du niemandem glauben. Nirgendwo sind die Verstrickungen und Interessenkonflikte so groß, wie in der Finanzwelt. Glaubst Du wirklich, jemand wie Bill Gross, der vermutlich pro Tag mehr verdient, als ein Normalbürger im ganzen Jahr, schert sich auch nur eine Millisekunde um Dein finanzielles Wohlergehen? Niemals!
Pimco hält nicht nur “keine Aktien, sondern Anleihen”, sondern “keine Frannie-Aktien, aber *jede Menge* Frannie-Anleihen”.
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Mortgage-backed bonds issued by Fannie Mae and Freddie Mac are “an excellent buy” compared with debt of the agencies, Gross said.
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28.7.08
http://bigpicture.typepad.com/comments/2008/07/pimcos-gross-fa.html
Noch Fragen?
Da hat wohl jemand Angst, dass er sich übel verspekuliert hat …
Bye egghat