Short Selling ist abartig
Diese Meinung vertritt Uwe in einem Kommentar zu dem Beitrag “Wieder diese bösen Short Seller: Star Energy + StarGold + Russoil”. Er schreibt
Shortselling ist und bleibt für mich eine abartige Form des Aktienhandels und hat da nichts verloren.
Und immer wieder die Beteuerungen das der Kurs dabei stabiler wird, hört sich an wie eine Beschwörungsformel der Shortseller Vereinigung.
Auch Shortseller beschäftigen sich nicht wirklich mit einer Aktie was gerne als Begründung dient “man hätte sich halt besser informieren sollenâ€?.
Vielmehr arbeiten die gerne mit Masseneuphorie und verkaufen alles in den Markt. Auch auf den Weg nach unten wird leerverkauft bis sie Kauflaune ganz draußen ist und Verkaufspanik kommt.
Erst dann wird gecovert.
Das ist für mich genauso Manipulation wie Aktien unbegründet hochzupuschen.
Und der positive Zusatzeffekt ist der, das man mächtig viel Kohle auf dem Konto hat bevor man covert.
Mal im ernst wie viele shortsqueeze stehen massiven Kursverlusten gegenüber? Richtig – und das wollen die Banken doch weiterhin auch machen.
Deshalb wird alles kleingeredet!
Ich bin der Meinung, Short Selling ist ein ganz normales Instrument des Aktienhandels. In der Tat folgt es den gleichen Prinzipien wie das “normale” Kaufen von Aktien: billig kaufen, teuer verkaufen. Nur dass beim Short Selling die zeitliche Reihenfolge umgekehrt ist, d.h. erst wird verkauft und danach wird gekauft. So wie manche Trader sich Geld leihen, um Aktien zu kaufen, so leihen sich andere Trader Aktien, um diese zu verkaufen.
Wieso sollten sich Shortseller weniger als andere oder gar nicht mit einer Aktie beschäftigen? Ich suche meine Short Kandidaten hauptsächlich nach folgenden Kriterien aus: a) Die Aktie muss “in” sein, d.h. in Diskussionsforen muss die Aktie ganz oben auf der Liste der viel diskutierten Aktien sein. b) Der Aktienkurs sollte in den vergangenen Tagen möglichst steil möglichst hoch gestiegen sein. c) Der Kursanstieg darf nicht auf belastbaren News begründet sein wie z.B. Quartalszahlen. Kursgewinne aufgrund von News über neue Bohrvorhaben irgendwo im Dschungel, schwammige Absichtserklärungen oder Gefasel der Cheerleader (=Vorstand) des Unternehmens sind der beste Nährboden für einen Short.
Das dauert zwar nur wenige Minuten, aber ich behaupte, dass ich dadurch eine wesentlich realistischere Einstellung zu der Aktie habe, als Trader, die den Aussagen des Unternehmens, Artikeln in Börsenbriefen oder Beiträgen in Diskussionsforen (und Blogs?!) glauben und gebannt auf die nächsten Hammer-News warten, während der Kurs ins Bodenlose fällt.
Kein einzelner Short Seller kann ein gesundes Unternehmen in die Knie zwingen, auch hunderte oder tausende nicht. So etwas ist nur großen Fonds über das sogenannte “naked short selling” möglich, was zurecht illegal ist (im Gegensatz – auch zurecht – zum normalen Short Selling).
Und wie kann es überhaupt sein, dass bei einem Top-Investment mit vielen Aktionären, die sich ausgiebig mit der Aktie und dem Unternehmen beschäftigt haben, nach einer Masseneuphorie anschließend die Kauflaune nachlässt und Verkaufspanik aufkommt?
Und auch mal im Ernst – fast alle massiven Kursverluste beruhen nicht auf den Verkäufen von Shortsellern sondern darauf, dass die Mehrheit der Trader zu der Einsicht gekommen ist, dass entweder die an das Unternehmen gestellten Erwartungen nicht erfüllt werden, oder die ganzen News eines Unternehmen erstunken und erlogen, oder der Vorstand die Zahlen frisiert hat, oder Börsenbriefe nur heiße Luft geschrieben haben, oder, oder, oder. Kurz: das Unternehmen ist einfach Schrott. Ansonsten wären steigende Kurse und ein Short Squeeze nach einem Kurseinbruch die Konsequenz, und nicht ein Kurs von Null Komma Nix.
Zur Erinnerung noch einmal die Charts der Unternehmen aus dem oben genannten Beitrag, bei denen die Short Seller sich gegen die Aktie verschworen haben sollen:
Und noch mal ganz im Ernst: Glaubt hier irgend jemand wirklich, dass die Aktienkurse dieser vier Unternehmen durch böse Short Seller bei Null Komma Nix gehalten werden? Oder dass große Fonds den Kurs gedrückt haben, weil sie billig rein wollen? Oder dass die Market Maker die Stops der Kleinanleger ausgelöst haben? – Schwachsinn!




Ohne Shortselling würde ich das Handeln wahrscheinlich aufgeben. Bei mir hält es sich so ziemlich die Waage, zwischen 40 und 60% sind Short-Trades.
Short läuft zur Zeit auch deutlich besser. Jeder, wirklich jeder sollte sich mit dem Thema befassen. Ansonsten haben die Banken und Broker einen nicht zu unterschätzenden Vorteil.
Ich sehe das etwas anders. Grundsätzlich ist gegen das Shorten im normalen Markt (Dax, Dow usw.)nichts einzuwenden, da es tatsächlich den “Ausgleich” schafft. Eine gute und starke Aktie kann nicht kaputtgeshortet werden, wohl aber eine Micro- oder Smallcapfirma. Auch mir ist klar, dass die oben benannten Firmen nur dem Zweck dienten/dienen ein paar Amis und Candis die Prostituierten, Parties und coolen Autos zu finanzieren. Insofern muss man die Typen (Guschlak, Reynolds, Eckhoff & Co.) nicht in Schutz nehmen. Die betreiben ein verwerflicheres Spiel, wie alle Shorts zusammen. Aber am Ende zahlt es der kleine unerfahrene Freizeitanleger, der im Vertrauen darauf, dass der Bäckermeister und viele andere Promotoren das Haushalts-/Urlaubsgeld der Mutti vermehren kann. (Familiäre Exzesse werden viele derer erlebt haben, denn meist blieb nichts übrig – nicht mal ein kleiner Urlaub in Malle hihihi) Mittlerweile, so scheint es, haben Guschlak & Co. dazugelernt. Mvive, Mainland Res. und Nilam Res. zeigen deutlich, dass die Initiatoren keine Aktien zur Verfügung stellen und Clearstream somit keine Leihe ermöglichen kann. Fazit: Der Makler, der diese “seriösen” Buden zweifelsohne vor Ort unterstützt, setzt offenbar alle Hebel in Bewegung (siehe Mails und Abrufe von Sino & Etrade), um die Shorts zum Decken zu zwingen. Schön für Guschlak & Co., denn somit können diese die angeblich nicht vorhandenen Shares an die Shorties verkaufen und bewegen sogar noch den Kurs nach oben. Aber zurück zum Thema: Sowohl das Handeln von Guschlak & Co. ist pervers, als auch das Handeln einiger Shorties, die mit dem Vorwand der Gerechtigkeit und Marktsäuberung diese Drecksbuden auf Kosten der Kleinanleger zersägen. Schöne Gewinne sind schnell machbar, sicherlich, aber um welchen Preis!? Klar, Börse ist Kapitalismus, aber dann bekennt euch dazu und miemt nicht die Wohltäter. Ich sag da immer: “Wer nicht wirklich traden kann und die Vola im Dax nicht zu nutzen weiß, muss seine Rendite mit dem Dreckszeug machen.” Vielleicht war sogar die eine oder andere Bude in den letzten vier Jahren dabei, die ernsthaftige und wahrhafte Unternehmensziele hatten und sich Geld an der Börse besorgen wollten – und auch zersägt wurden. Naja, die Hoffnung an das Gute stirbt zuletzt. Aufklärung tut not, damit “Papi” nicht mehr das Urlaubsgeld den Promotoren und Initiatoren in den Rachen wirft. Viel Erfolg. ;)
Hallo David,
Danke für den ausführlichen Kommentar. Ich mime keinesfalls den Wohltäter. Ich sage hiermit explizit, dass ich an der Börse an das Geld anderer Trader will (auch an Dein Geld, werter Leser!). Börse ist nicht wie oft zu lesen ein Nullsummenspiel, es ist weniger als das, weil die Banken und Broker ihren Teil vorher in Form von Gebühren abzweigen.
Dass der “kleine unerfahrene Freizeitanleger” seine Kohle verliert ist nicht meine Schuld, auch nicht die von den Schmierfinken von unseriösen Börsenbriefen. Das Problem ist einfach, dass die meisten beim Aktienhandel absolut unwissend sind und deshalb auf die Meinung von sogenannten “Experten” vertrauen. Außerdem geht Lug und Trug vom kleinsten Börsenbrief bis hoch zu den angesehenen Investmentbanken.
Deine Aussage “Wer nicht wirklich traden kann und die Vola im Dax nicht zu nutzen weiß, muss seine Rendite mit dem Dreckszeug machen.â€? kann ich so nicht stehen lassen. Jeder sollte seine Nische finden. Ich shorte den Müll seit ca. drei Monaten, zusätzlich zu dem ganzen YM, ES, FDAX Krams und “normalen” Einzeltiteln.
Bisher ist die Trefferquote phänomenal, und das obwohl ich bei den besten Gelegenheiten oft gar keine Leihe mehr bekomme, weil ich zu spät bin. Das Problem ist aber auch oft der hohe Spread, und dass man die Strategie nicht auf eine gute position size hoch skalieren kann. Außerdem ist auch diese Art des Tradings keine Einbahnstraße. Es ist ja nicht so, dass man mit Short Positionen immer richtig liegt.
Deine letzte Aussage kann ich voll unterstützen: Aufklärung tut Not. Deswegen stelle ich ja hier auch einige Titel für die Short Watchlist vor, die ich für hoch gepushte Luftnummer halte. Du glaubst nicht, was ich da schon für böse Emails erhalten habe. Zum Glück zwingen werde ich allerdings niemanden, schließlich lebe ich u.a. von der Ignoranz der gierigen, (von Vorständen und Börsenbriefen) verblendeten “Freizeitanleger”.
Nochmals Danke für den Kommentar,
Olaf
Da bin ich zum Großteil doch ganz bei dir. ;-)