Fallende Messer: “Panikverkäufe”, “Stop Loss Fishing”, “Ich gebe keine Stücke her”, “Ich kaufe nach”
Seit ca. zwei Monaten beschäftige ich mich ausführlich mit dem Trading von hochgepushten Luftnummern, wie man in den folgenden Beiträgen nachlesen kann:
- Trade der Woche: Short in Energulf (ENG.VSE, ISIN CA29266X1050)
- Pump & Dump: Kentucky USA Energy (KYUS, US4916651056)
- Short WL: Perf Go Green (PGOG, US71367D1090)
- Short Watchlist: Eurogas (EUGS.NOO, EUG.FSE, US2987341045)
- Short WL: Hydrogen Hybrid (HYHY, US44887L1098)
Das Traden solcher Aktien hat einige Vorteile. Man hat es nicht mit den großen professionellen Gegenspielern zu tun. Entgegen den Aussagen in anonymen Beiträgen in Diskussionsforen zum Thema Börse im Internet steigen in den hochgejubelten Klitschen garantiert keine “Großen” oder “Fonds” ein. Das ist natürlich totaler Quatsch.
In solchen Aktien tummeln sich neben einigen höchst professionell agierenden Daytradern hauptsächlich gierige Trader, deren Entscheidungen zu Einstieg und Ausstieg in eine Aktie auf den Aussagen anderer beruhen, seien es andere Nutzer der Foren, Börsenbriefe oder was auch immer. Dadurch ist der Kursverlauf von diesen kleinen Pharma-Klitschen, Drilling- und Explorer-Buden und HighTech-Hoffnungen hochgradig durch Emotionen bestimmt und entsprechend vorhersehbar.
Die einzigen wirklichen Gegenspieler sind die Insider und die angeheuerten Push-Profis, da man nie weiß, wann a) die Insider den Kurs durch den Verkauf einer gewaltig hohen Anzahl von Aktien schlagartig ins Bodenlose treiben, oder b) die Promoter eine weitere Werbekampagne starten und die Aktie durch einen Short Squeeze nochmal 30% nach oben schieben. Der Vorteil, diese Aktien auf der Shortseite zu spielen, ist, dass man zumindest fundamental auf der richtigen Seite steht, da die entsprechenden Unternehmen zu 95% scheitern werden.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die Aktienkurse binnen kürzester Zeit Gewinne und Verluste im Bereich von 20% oder mehr aufweisen. Trader’s Paradise.
Aber kommen wir noch einmal zurück zu den Gegenspielern in diesen Aktien. Ich habe mich in den letzten Wochen natürlich auch mit den Beiträgen in Diskussionsforen zu hochgepushten Aktien beschäftigen müssen. Wer das Niveau solcher Diskussionen kennt, weiß, dass das keine einfach Arbeit ist.
Nach der Phase der ansteigenden Kurse kennt das Ausmaß der positiven, ja euphorischen Kommentare keine Grenzen mehr. Man kann dann Aussagen wie “Bei 10 Euro geh’ ich in Rente!” (aktueller Kurs ca. 0.00002) oder “Ich lackier’ mir den Chart auf meinen Ferrari!” lesen. Genau in diesem Moment stagniert der Anstieg des Aktienkurses, und man sollte schleunigst zusehen, dass man sich ein paar Aktien leiht.
Das wissen natürlich auch die Insider und Promoter und hauen zu diesem Zeitpunkt ihr Zeugs in den Markt. Der Kurs fällt senkrecht nach unten.
In dieser Phase schlägt verständlicherweise die Stimmung in den Foren um. Die Horde ist verunsichert, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Man liest dann immer wieder folgende Aussagen:
- “Das sind nur Panikverkäufe.”
- “Die Fonds machen ein Stop Loss Fishing, weil sie billiger an die Aktien kommen wollen. Fallt nicht darauf herein und nehmt eure Stop Orders raus.”
- “Das ist eine gesunde Konsolidierung, die Aktie wird sich wieder erholen und zu neuen Höhen emporschwingen.”
- “Ich gebe keine Stücke ab, im Gegenteil: bei X Cent werde ich weiter aufstocken.”
Auch das ist natürlich Quatsch, glaubt davon kein Wort! Das sind alles emotionale Kommentare von Tradern, die “locked in” sind und ihre Positionen rechtfertigen wollen, vor sich selbst und vor anderen.
“Locked in” (eingesperrt, eingeschlossen) nennt man Trader, die nicht in der Lage waren, die Verluste zu realisieren als sie noch klein waren. Mit einem Minus von 40% oder mehr ist es ihnen erst recht nicht möglich. Sie sind in ihrer Position bis zum Delisting der Aktie gefangen. Totalverlust.
Nach dieser Phase fällt der Aktienkurs mit immer weiter abnehmender Volatilität gegen Null; die Insider und Promoter sind raus, die Trader spielen sich den Ball gegenseitig zu. Für mich ist der erste Kursverfall am lukrativsten und auch am besten einzuschätzen. Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, gibt es nichts mehr zu holen.