Hat die SEC die Rally ausgelöst?
In einem Brief vom 27. März betonte die SEC nochmals, wie Unternehmen den fairen Wert ihren Anlagen in ihre Bilanzen aufnehmen sollten. Diese “fair value” Methode wird durch die SFAS 157 geregelt, welche seit Anfang Januar in Kraft ist. Die SFAS 157 ist diejenige Regel, die alle Anlagen in die wohlbekannten Level 1 bis 3 unterteilt. Sie soll insbesondere bei der Festlegung des Wertes derjenigen Anlagen helfen, die aufgrund illiquider Märkte schwer einschätzbar sind; auf deutsch also die ganze Buchstabensuppe aus dem Kredit- und Hypothekenmarkt, der in dem sogenannten Level-3 geparkt ist.
In der letzten Zeit ist es bei den Banken gerade im Bereich der ABS, CDOs, etc. zu großen Abschreibungen gekommen, weil diese Derivate zur Zeit praktisch unverkäuflich sind, aber alle das Zeug gerne loswerden würden. Also fallen die Preise ins Bodenlose, vermutlich aber sogar zu recht. Die Anpassungen gemäß der mark-to-market Regel führten dann zu großen Verlusten, da in den Büchern der Banken deren “Investments” an die gefallenen Marktpreise angepasst werden. Der große Vorteil dabei ist natürlich, dass die Bilanzen der Investmentbanken wesentlich transparenter geworden sind.
Jetzt hat die SEC die Anwendung der Regel SFAS 157 in einem Brief nochmals in Erinnerung gerufen und genauer spezifiziert:
Under SFAS 157, it is appropriate for you to consider actual market prices, or observable inputs, even when the market is less liquid than historical market volumes, unless those prices are the result of a forced liquidation or distress sale.
Frei ins Deutsche übersetzt heißt das in etwa:
Nach der Regel SFAS 157 ist es angebracht, die aktuellen Marktpreise zu berücksichtigen, auch wenn der Markt weniger liquide als in der Vergangenheit ist, außer diese Preise sind die Folge von erzwungenen Liquidationen oder Notverkäufen.
Alles klar? Die Banken haben durch die Regel SFAS 157 weiterhin von der SEC einen Blankocheck, die aktuellen Marktpreise bei ihren XYZ-Derivaten als Folge von Notverkäufen zu ignorieren und sie mit 100% des Kaufpreises in der Bilanz zu lassen.
→ If Market Prices Are Too Low, Ignore Them (New York Times 28.3.2008)
→ Statement No. 157 Fair Value Measurements Financial Accounting Standards Board (FASB) (PDF, 158 Seiten)
Die Fed macht ALLES, um das Finanzsystem wieder zu liquide zu machen.
Die nehmen den Schrott in die eigenen Bücher (bis zu 200 Milliarden)
Es gibt neue, zusätzliche Geldtender
Es gibt diese Geldtender jetzt auch für Broker, die noch nie Zugriff auf direktes Geld bei der Fed hatten
Die Bilanzierungsrichtlinien werden immer weiter aufgeweicht. Jetzt kann man schon Marktpreise ignorieren, nur weil sie auf “Notverkäufe” zurückgehen. Wie bescheuert ist das denn? Wer zum Teufel soll denn entscheiden, ob ein Kurs durch Notverkäufe oder normale Verkäufe entstanden sind? Man kennt doch den Verkäufer im Normalfall überhaupt nicht.
Ich fass das alles nicht mehr!
Es gibt daraus aber für mich nur eine Konsequenz: Ich habe lange mit dem Gedanken gespielt, bei einer Bank einzustiegen, z.B. Wells Fargo oder der UBS (beides Buffet Ideen). Jetzt muss ich mir das aber nochmal überlegen, denn die ganzen Verluste, die jetzt versteckt werden, fallen in der Zukunft ja irgendwann doch an. Die Gewinne in der Zukunft werden durch die jetzt versteckten Verluste geschmälert. Und das passt überhaupt nicht zur aktuellen “Jetzt-wird-reiner-Tisch-gemacht”-Hausse.
bye egghat
Ja ja, die Fed ist scheinbar bereits der größte Immobilienmakler der Welt. Nach der gestrigen Meldung von Bloomberg (Overdue Consumer Debts Highest Since 1992, ABA Says) könnte sie bald auch der größte Gebrauchtwagenhändler werden, da immer mehr Autokredite und Kreditkartenzahlungen bei dem privaten Verbraucher in Verzug geraten.
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