Carlyle Capital Corporation
Die Carlyle Capital Corporation kann den margin calls ihrer Gläubiger nicht nachkommen und steht damit kurz vor der Pleite. Angeblich hat der Fond mit einem Hebel von 32 gearbeitet, d.h. auf einen Dollar Eigenkapital kamen 31 geliehene Dollar (= Schulden). Natürlich gibt es bereits Gerüchte darüber, wer die Schuldner sind.
Im Handelsblatt liest man dazu (Hervorhebung von mir):
Nach der Mitteilung, dass die Rettungsgespräche mit Banken gescheitert seien, stürzte die CCC-Aktie am Donnerstag um mehr als 90 Prozent auf 0,23 Dollar ab. Erst vor wenigen Monaten war der Fonds zu knapp 20 Dollar pro Aktie an die Börse gebracht worden. „Im Rückblick könnte man sagen, dass der Zeitpunkt für den Börsengang nicht gerade günstig war“, sagte [Mitbegründer] Rubenstein. Aber man hätte damals nicht mit einer schweren Krise auf den Kreditmärkten gerechnet, die selbst die sichersten Papiere betreffen würde.
Das ist eine beispiellose Dreistigkeit. Bei dem Hebel konnten sie sich sicher sein, dass das alles irgendwann gegen die Wand fahren würde. Der Zeitpunkt für den Börsengang war nicht nur günstig, sondern optimal, allerdings nicht für die Aktionäre. Denn vorher galt es, soviel wie möglich in die eigene Tasche zu wirtschaften. Bereits im vergangenen Juni schrieb ich:
Private Equity Firmen, die mit Hochdruck an die Börse streben. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Firmen, deren (bisher sehr lukratives) Geschäft es ist, Unternehmen von der Börse zu nehmen, wollen selbst an die Börse. Von den $4,13 Milliarden Dollar, die für die Ausgabe von 12,3% der existierenden Aktien eingenommen werden und angeblich für weitere Übernahmen verwendet werden sollen, gehen $2,33 Milliarden in die Privatkasse der beiden Gründer. Hier geht es ganz klar um Kasse machen, lasst Euch nichts erzählen. KKR, Apollo, etc werden bald folgen.
Es handelte sich dabei um die Aktie der Blackstone Group (Ausgabepreis $31, erster Kurs $45, gestriger Schlusskurs $17). Alles klar? Wenn es um Geld geht, hast Du keine Freunde. Besonders nicht, wenn es um Dein Geld geht.
Meine Theorie ist ja, dass alles, was an die Börse gebracht wird, irgendwie Schrott ist. Denn warum sollte jemand einen Goldesel verkaufen, wenn der einem gute Ertäge bringt? Warum sollte er sich tausende Mitbesitzer ins Boot holen, die alle mitbestimmen wollen, wo es lang geht? Der beste Zeitpunkt, einen Goldesel (an der Börse) zu verkaufen, ist, wenn zu erkennen ist, dass er seinen Zenit überschritten hat. So zumindest meine Meinung.
Deinen Kommentar vom letzten Juni hatte ich auch gelesen und fand ihn sehr treffend.
Hi Stephan,
dass alles nur schrott ist, stimmt ja auch nicht so ganz. Viele Firmen stecken ja noch in den Kinderschuhen und suchen über die Börse entsprechendes Risikokapital für ihre Weiterentwicklung. Hellhörig muss man natürlich werden, wenn – wie Du schreibst – Goldesel an die Börse gebracht werden und der Erlös zu großen Teilen in die privaten Taschen der bisherigen Besitzer fließt. Warum sollte ich kaufen, was die verkaufen wollen?