Rettung von Ambac
In seinem Kommentar AMBAC-Rettungsplan … für die Börsen? zu meinen ersten Artikel über eine mögliche Rettung von Ambac fragt Martin vom Börsennotizbuch sich (und vielleicht auch mich), ob mein Beitrag ironisch gemeint war. Teils, teils.
Welche Situation hatten wir denn am Freitag eine Stunde vor Handels- und somit auch Wochenschluss in den USA? Die Aktienmärkte waren ordentlich im Minus, nachdem Merryll Lynch Fannie Mae (FNM) und Freddie Mac (FRE) von “Neutral” auf “Verkaufen” herunter gestuft hatte. Alles sah nach einem negativen Wochenschluss aus, und die US Indizes (Dow Jones, S&P 500, Nasdaq Composite, Russel 2000) drohten, aus dem in aller Welt beobachteten symmetrischen Dreieck nach unten auszubrechen, was vermutlich zu weiteren Verkäufen geführt hätte.
Kurz vor Handelsschluss vermeldete Charlie Gasparino von CNBC dass bereits schon am Montag eine Lösung für die Probleme bei Ambac vermeldet werden könnte (deutsche Presseartikel s.u.). Das war ein Überraschungsangriff auf die Shorts, nichts anderes. Ich weiß natürlich nicht, ob das eine konzertierte Aktien der Fed, des Finanzministeriums und/oder der Investmentbanken war, dass ein Informant “aus gut unterrichteten Kreisen” dem TV Sender eine solche Information zukommen ließ. Obwohl ich es auch nicht vollkommen ausschließe, denke ich trotzdem, dass das eher in die Kiste mit den Verschwörungstheorien gehört.
Mir ist klar, dass es auch bei den Medien ausschließlich um Geld geht, und wer die Meldung zuerst bringt, erntet das größte Ansehen und das meiste Geld. Die Frage ist aber, ob es einem TV Sender erlaubt sein soll, eine Meldung von derartiger Bedeutung für die Finanzmärkte an einem Freitag kurz vor Handelsschluss in die Welt zu setzen (s.a. Maria Bartiromo wundert sich was los ist). Wäre die Meldung am Wochenende oder Montag vor Handelsbeginn gekommen, hätten die Aktienmärkte sicher auch positiv reagiert, aber die Trader hätten sich nicht derart kopflos gehandelt. Interessant zu wissen wäre sicherlich auch, ob der Moderator und enge Freunde kurz vor der Sendung noch einige Aufträge an ihre Broker geschickt haben…
Ich will hiermit nicht sagen, dass ich einen stärker regulierten Markt haben will, aber mehr Transparenz könnte nicht schaden. Wenn solche Sachen sich häufen, steht die Glaubwürdigkeit der Banken, Broker, der Zentralbanken und der involvierten Regierungsbehörden auf dem Spiel. Das gilt besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme mit den Kreditderivaten, die noch lange nicht gelöst sind. Wenn weiterhin aufgrund von durchsickernden Gerüchten Sprünge von 1,5% innerhalb weniger Minuten vorkommen, oder die großen Banken die Märkte im verstärkten Maße manipulieren, u.a. ebenfalls durch die Medien als Sprachrohr, dann wird es kein Wunder sein, wenn der durchschnittliche Trader und Anleger sein Interesse an den Finanzmärkten verliert. Und wie gefährlich das in einem Markt ist, der vor allem anderen Liquidität für seinen Erhalt und sein Wachstum benötigt, haben wir in den letzten Monaten gerade bei den Kreditderivaten gesehen.