Wer erinnert sich nicht an die Senkung des Diskontzinssatzes (discount rate) der Fed im September 2007 und die anschließend mit viel medialem Trubel veranstaltete Aktion einiger Großbanken, die sich ein paar läppische Milliarden Dollar (ca. 7) für ein paar Tage geliehen haben. Zu Erinnerung: das Anpumpen der Fed zum Diskontsatz ist verpönt, denn dieser liegt üblicherweise deutlich oberhalb des Leitzinssatzes, also über den Konditionen, zu denen sich Banken im Normalfall Geld leihen können. Geld von der Fed zum Diskontsatz leihen sich in der Regel nur Banken, denen keiner mehr vertraut, die also nirgendwo anders noch Geld bekommen. Deswegen haben sich seinerzeit die Citigroup und andere - eng begleitet von der von ihnen abhängigen Finanzpresse - Geld geliehen, um zu zeigen: “Seht her, wir leihen uns Geld von der Fed. Ihr könnt das jetzt auch machen, ohne dabei in Verdacht zu geraten, dass es Euch nicht gut geht.”

Nach ein paar Tagen war diese Aktion dann aber auch schon wieder vergessen. Um so verwunderlicher ist, dass man zur aktuellen Situation der Kreditvergabe von der Fed an die Banken nichts hört.

Banken können in den USA im Prinzip Geld aus dem Nichts erzeugen. Das aber in einem beschränkten Maße, nur die Fed kann soviel drucken wie sie will. Um in den USA als Bank tätig werden zu können, und damit man nicht einfach Unmengen von Geld erzeugt, muss man für das Geld mit dem man arbeitet Rücklagen bei der Fed einzahlen. Die Vorschriften sind relativ komplex, mit einer Progression behaftet und auch mit einigen Ausnahmen ausgestattet. Heutzutage entspricht die Rücklage bei der Fed ca. 5% des sich bei den Banken im Umlauf befindenden Geldes (1959 waren es noch 26%). Dieses Geld verleiht die Fed aber auch wieder an die einzelnen Banken, sofern diese es nachfragen.

Die Institutionen der US Regierung stellen eine schier unfassbare Menge an statistischen Daten zur Verfügung. Das meiste davon wird von der Mainstream Presse nicht beachtet, es ist einfach zuviel. Aber gerade dort findet man interessante Informationen, wie zum Beispiel die von der Fed an die Banken verliehene Geldmenge zum Diskontsatz

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis

oder die gesamte verliehene Geldmenge

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis

Bei diesen hohen Krediten schmelzen natürlich die Reserven recht schnell ab. Die Nulllinie entspricht der erforderlichen Rücklage, die zur Zeit bei knapp unter $40 Milliarden liegt.

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis

Die Zahlen vom Dezember zeigen, dass sich die Banken 15,4 Milliarden US Dollar bei der Fed geliehen haben, davon 3,8 Milliarden USD zum Diskontsatz. Von den $42,715 Mrd. schweren Rücklagen waren $40,967 Mrd. erforderlich, aber entsprechend nur noch $27,285 Mrd. verfügbar. Das sind schockierende Zahlen.

Wir Trader sind von Natur aus neugierig und wollen wissen, was die Gründe sind, und wie sich das weiter entwickelt hat. Waren das vielleicht nur kurzfristige Kredite zur Ablösung anderer zum Jahresende fällig werdender Verbindlichkeiten, die schnell wieder zurückgezahlt wurden?

Nach kurzer Suche findet man die aktuellen (vorläufigen) Zahlen vom 16. Januar: Rücklagen insgesamt: $39,988 Mrd., erforderlich $38,275 Mrd. Davon verfügbar: -1,389 Mrd. US Dollar. Die Banken haben also die von der Fed geliehene Geldmenge von $15,4 Mrd. im Dezember innerhalb von zwei Wochen um weitere $26,0 Mrd. auf $41,4 Mrd. erhöht. Die verfügbare Rücklage ist komplett aufgebraucht und sogar negativ geworden. Wie negativ kann sie werden? Denkt Euch mal die Zahlen vom Januar in die obigen Charts.

Hinzurechnen muss man natürlich auch noch das enorm hohe frische Kapital, das durch Ausgabe neuer Aktien an Altaktionäre und von Investoren aus dem nahen, mittleren und fernen Osten beschafft wurde. Glaubt jemand wirklich noch, dass alles gut wird, und wir im Aktienmarkt das Schlimmste hinter uns haben?