Die Bestimmung der Positionsgröße (auch bekannt unter den Begriffen position sizing oder money management) ist langfristig vermutlich einer der wichtigsten Aspekte beim Trading, wichtiger noch als Einstieg oder Ausstieg. Zusammen mit einem positiven Erwartungswert stellt sie das A und O des Handelns an der Börse dar, sei es mit Aktien, Fonds, Futures, Optionen oder CFDs.

Um so erstaunlicher ist es, dass man in kaum einem Buch zum Thema Trading diese beiden Begriffe findet. Oftmals geht es um die Anwendung von Trendlinien und Chartmustern oder um die Einstellung von Indikatoren. Dabei wird der Großteil der Aufmerksamkeit auf das Signal zum Einstieg gelenkt, wobei dieses mit eines der unwichtigsten Details ist, unwichtiger noch als das Signal zum Ausstieg.

Ähnlich sieht es in der Medienlandschaft aus. In fast allen Magazinen zum Thema Börse findet man aussschließlich Einschätzungen von Aktien mit der Empfehlung zu welchem Preis man kaufen oder verkaufen solle, im besten Fall noch unter Angabe eine Stopkurses. Diese erfolgt meistens schon ohne eine Begründung. Bei den weniger seriösen Schmierblättern heißt es einfach nur “Hotstock der Woche! WKN 0815! Kaufen!!!”.

Die viel wichtigere Überlegung ist, wie viele Aktien kann ich kaufen, um das eingegangene Risiko innerhalb meines Wohlfühl-Levels zu halten. Wer über das position sizing schreibt, kommt nicht daran vorbei, die Arbeit von Van K. Tharp zu zitieren, der in seinem Buch “Trade Your Way to Financial Freedom” (s.u., die deutsche Ausgabe heißt “Clever Traden mit System”) ausführlich auf die Bestimmung der Positionsgröße eingeht.

Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte auf jeden Fall dieses Buch lesen, da es meiner Meinung nach eines der besten Trading Bücher ist. Ihr dürft allerdings nicht erwarten, dass Ihr ein fertiges Handelssystem präsentiert bekommt. In dem Buch zeigt er sehr deutlich, wie wichtig die richtige Positionsgröße ist. Er handelt dabei mit verschiedenen Methoden zur Bestimmung der Positionsgröße ein System, dass innerhalb von 5,5 Jahren 595 Trades erzeugt. Obwohl sich nur die Positionsgrößen unterscheiden, liegt die Rendite dieses einen Systems mit jeweils denselben Trades zwischen 0,5% und über 20% pro Jahr.

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Update 2008-01-28 Version 1.1

Der hier vorgestellte Position Size Calculator benötigt zur Bestimmung der Positiongröße folgende Angaben:

Verfügbares Kapital
Hier muss das verfügbare Kapital für die geplante Position eingegeben werden. Das verfügbare Kapital ist dasjenige Kapital, das für den geplanten Trade zur Verfügung steht und kann je nach Trading Stil maximal der Kontogröße entsprechen.

  • Das verfügbare Kapital kann und darf auch der Kontogröße entsprechen, wenn man mit einem Marginkonto Daytrading von großen, liquiden Werten betreibt, bei denen die Gefahr eine Handelsaussetzung während des Handelstages mit einem anschließenden Gap gegen die eigene Position (fast) gleich Null ist. Dazu gehören vor allem Index ETFs oder Werte aus dem Dow Jones oder dem DAX.
  • Deutlich kleiner als die Kontogröße sollte das verfügbare Kapital für den geplanten Trade sein, wenn man die Position über Nacht halten will und/oder man mit Aktien handelt, bei denen die Gefahr eines Gaps zu Handelsbeginn oder nach einer Aussetzung vom Handel nicht zu vernachlässigen ist. Handelt man z.B. eine hochspekulative Aktie aus dem Bereich Biotechnologie, so kann durch wichtige Neuigkeiten außerhalb der Handelszeit die Aktie mit einem Gap weit unterhalb (oder oberhalb bei einer Short Position) des geplanten Stopkurses eröffnen. In diesem Fall muss man ein Vielfaches des geplanten Verlustes hinnehmen.
Risiko auf das Kapital
Hier muss das prozentuale Risiko auf das oben genannte zur Verfügung stehende Kapital eingegeben werden, dass im Verlustfall nicht überschritten werden soll. Häufig liegt dieser Wert zwischen 0.5% und 2%. Darüber nimmt die Wahrscheinlichkeit deutlich zu, durch eine längere Verlustserie das Konto in den Totalverlust zu traden. Ein Risiko von einem Prozent kann z.B. als 1% oder als 0.01 eingegeben werden.
Position: Einstieg bei
In dieses Feld ist der Kurs für den Einstieg in die Position einzutragen.
Position: Stop bei
In dieses Feld ist der geplante Stopkurs einzutragen.
Erwartete Slippage (optional)
Hier kann die erwartete Slippage pro Aktie / Option / CFD / Future eingetragen werden. Die Slippage ist der Unterschied zwischen dem gesetzten Stopkurs und dem Kurs, zu dem die Ausführung tatsächlich stattfindet. Diese kann aus dem geplanten Stopkurs und dem normalen Spread zwischen Geld- und Briefkurs geschätzt werden. Wenn hier ein Wert eingetragen wird, wird er entsprechend bei der Berechnung der Positionsgröße berücksichtigt. Ansonsten wird er auf Null gesetzt.
Transaktionsgebühren (optional)
Werden in dieses Feld die voraussichtlichen Transaktionskosten für den gesamten Trade (Ein- und Ausstieg) eingegeben, so werden sie bei der Berechnung des maximalen Verlustes berücksichtigt und verringern entsprechend die Positionsgröße. Ansonsten werden die Transaktionsgebühren auf Null gesetzt und nicht berücksichtigt.
Position: Ausstieg bei (optional)
In dieses Feld kann der geplante Kurs für das Schließen der Position eingetragen werden. Dieser ermöglicht die Berechnung der R-Vielfachen und des möglichen Gewinns.
Margin Anforderung (optional)
Wird in diesem Feld die Margin Anforderung eingegeben, so wird dieser bei Berechnung der Positionsgröße entsprechend berücksichtigt. Daduch kann am Markt eine Position kontrolliert werden, deren Volumen das verfügbare Kapital übersteigt. Die Margin Anforderung kann entweder prozentual z.B. als 1% oder 5% oder aber als absoluter Betrag pro Kontrakt, CFD, … angegeben werden (s. Beispiel weiter unten).
Punktwert des Instruments (optional)
Finanzinstrumente wie z.B. Futures verfügen über einen sog. Punktwert, d.h. die Bewegung um einen Punkt im Basiswert bedeutet mehrere Punkte im Kontraktwert.

Als Ergebnis erhält man als die Positionsgröße die Anzahl der Aktien, die unter den eingegebenen Voraussetzungen gekauft werden sollten. Zusätzlich wird Gesamtrisiko der Position angegeben. Dieses gibt an, wieviel Geld man maximal mit diesem Trade verlieren kann, sofern Stop, Slippage und Transaktionskosten korrekt geschätzt und eingegeben wurden.

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Eine Beispielrechnung für Aktien:

Ich will die Aktien eines Unternehmens für aktuell 25,00 Euro kaufen. Ich spekuliere darauf, dass das bisherige Tagestief von 24,80 Euro hält und setze den Stop bei 24,65 Euro. Als Slippage aufgrund des Spreads nehme ich 5 Cent an. Das Risiko pro Aktie beträgt also (25,00 – 24,65) + 0,05 = 0,40 Euro. Wenn ich maximal 10000 Euro für diesen Trade zur Verfügung habe und nicht mehr als 1% davon riskieren will (=100 Euro), dann kann ich bei 10 Euro Transaktionskosten maximal 225 Aktien kaufen, um das Gesamtrisiko auf 100 Euro (225 * 0,40 = 90 Euro Verlust plus 10 Euro Kommission an den Broker) zu begrenzen.

Eine Beispielrechnung für Futures:

Ich will eine Short Position im YM, dem mini-sized Dow ($5) bei 12395 Punkten eingehen. Ich erwarte einen Kursrückgang auf 12360 Punkte und setze den Stop bei 12411 Punkten. Da der Handel mit dem Titel sehr liquide ist, gehe ich von einer Slippage von maximal einem Punkt aus. Ein round turn kostet mich $4.50 bei einem initial margin von $1751 pro Kontrakt. Der Punktwert des YM beträgt 5, d.h. ändert sich der mini-sized Dow ($5) um einen Punkt, so ändert sich der Kontraktwert um $5. Von meinem verfügbaren Kapital von $25000 will ich maximal 1% in diesem Trade riskieren. Daraus ergibt sich, dass ich 2 Kontrakte im YM mit einem Hebel von 35.39 short gehen kann. Mein Gesamtrisiko beträgt mit $174.50 weniger als 1% des Kapitals. Der Trade hat ein potezielles Gewinnziel von 1.98 R (+$345.50 entsprechend +9.87% auf die Position bzw. +1.38% auf das Gesamtkapital).

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