Seit Mitte 2006 bis Anfang 2007 wurden die Aktienmärkte durch tägliche Meldungen von Übernahmen (die sog. “Merger Mondays” ) in die Höhe getrieben. Mit dazu gesellten sich alsbald Meldungen von unternehmenseigenen Aktienrückkäufen zu absoluten Höchstkursen. Diese Prozesse wurden jeweils von Großbanken begleitet. Der Kauf eigener Aktien wurde teilweise bei den Banken selbst auch durchgeführt. Jetzt werden Aktien zu der Hälfte in großem Stil an ausländische Investoren verschleudert, um die Eigenkapitalquote zu erhöhen und dem Bankrott zu entgehen. “Hoch kaufen, niedrig verkaufen”?

  • November 2007: Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) kauft für 7,5 Milliarden 4,9% der Citigroup
  • Dezember 2007: Merrill Lynch sichert sich bis zu 7,5 Milliarden Dollar gesichert von einem Singapurer Staatsfonds und einer weitere Fondsgesellschaft.
  • Dezember 2008: Die staatliche Anlagegesellschaft GIC aus Singapur steigt mit 9,8 Milliarden Dollar bei der UBS ein.
  • Januar 2008: Merrill Lynch sucht laut eines Berichtes des “Wall Street Journal” weitere 3 bis 4 Milliarden Dollar bei Investoren aus dem Nahen Osten.
  • Januar 2008: Die Citigroup sucht angeblich weitere 14 Milliarden Dollar bei chinesischen Investoren, in Saudi Arabien und einem Staatsfonds aus Kuwait.

Hier muss man sich einige Fragen stellen, warum das geschah. Verstehen diese Banken und deren Händler aus dem Investmentgeschäft ihr eigenes Geschäft und den Grundsatz “niedrig kaufen, hoch verkaufen” nicht? Das halte ich für äußerst, äußerst unwahrscheinlich.

Eine Spekulation wäre, dass viele interne Mitarbeiter und Manager vor allem aus den Führungsetagen bereits Monate vor dem öffentlich werden der Probleme bei den Banken bescheid wussten und deren Folgen richtig eingeschätzt haben. Also legte man “Friends & Family” Aktienrückkaufprogramme auf, durch die vor allem die Aktien aus den Optionsprogrammen des Managements in bare Münze umgewandelt wurden, während man durch das hauseigene Sprachrohr (die Finanzpresse) vermelden ließ, dass der Rückkauf eigener Aktien gute Geschäftsaussichten und einen zukünftig weiter steigenden Aktienkurs bedeuten. Wie gesagt, eine Spekulation.

Eine weitere Frage ist, warum wird die Aufnahme von frischem Kapital durch die außerbörsliche Beteiligung von ausländischen Investoren vorgenommen. Man liest in dem Zusammenhang immer nur von dem mittleren Osten, finanzstarken asiatischen Staatsfonds sowie China. Das gleicht fast einem Ausverkauf US amerikanischer Investmentbanken ins Ausland. Auch hier muss es bestimmte Beweggründe für dieses Verhalten geben, zumal das nicht im Sinne der sonst so patriotischen US Regierung sein kann (wer ist nochmal Finanzminister der USA?). Warum man den Altaktionären, die vermutlich auf immensen Verlusten sitzen, hier die Möglichkeit verwehrt, ihren Bestand mit preisgünstigeren Aktien aufzustocken, begründete z.B. die UBS folgendermaßen:

Im Hinblick auf die Kritik daran, dass UBS die Altaktionäre von der Kapitalerhöhung ausschließe, erklärte die Bank, diese Möglichkeit sei geprüft aber aus Kosten-, Komplexitäts- und Zeitgründen verworfen worden. (→ via Reuters)

Das ist absolut schockierend und bedeutet zwei Dinge. “Zeitgründe” bedeutet, dass den Banken trotz bisheriger Finanzspritzen von Investoren und den Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen durch die Notenbanken das Wasser weiterhin bis zum Hals steht. Die Zuführung von frischem Kapital muss also vor den nächsten Quartalsberichten mit weiteren vermutlich immens hohen Abschreibungen erfolgen.

“Komplexitätsgründe” bedeutet, dass man auf jeden Fall ein öffentliches Verkaufsangebot verhindern will, da in dem entsprechenden Verkaufsprospekt alle Tatsachen und Risiken wahrheitsgemäß offengelegt werden müssten. Die Investmentbanken wissen also, auf welchen tickenden Zeitbomben sie sitzen, sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Bilanzen.

Ich wage die Prognose, dass einige der großen Banken in ihrer jetzigen Form nicht mehr existieren werden, wenn eines Tages alle Fakten auf dem Tisch liegen und der Staub sich gelegt hat. Welche das sind, wird uns der Chart verraten.

Ich bin also weiterhin bearish eingestellt und gespannt darauf, ob wir Marktteilnehmer die Verluste wie bisher langsam aber stetig bis zu dem letztendlich zu findenden Boden ausbauen, oder ob wir einen Katalysator für sell-off wie im Oktober 1987 erhalten werden.

Vielleicht liege ich auch komplett falsch. Ken Fisher bleibt jedenfalls weiter bullish.

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