Greenspan sieht erste Symptome von Stagflation
“Wir stehen nicht am Anfang einer Stagflation, aber wir erhalten erste Symptome von ihr.” sagte Greenspan in einem Interview in ABC’s Sendung “This Week with George Stephanopoulos”. Weiter mahnte er die Fed und vor allem die Politik: “Grundsätzlich muss die Inflation niedrig gehalten werden. Es ist extrem wichtig, dass der Fed von politischer Seite erlaubt wird, das zu tun was sie tun muss, um die Inflationsraten zu unterdrücken, die ich entstehen sehe; nicht sofort, aber sicherlich über einen mittel- bis langfristigen Zeithorizont. (→ via Reuters: Greenspan Sees Early Signs of U.S. Stagflation)
So läuft das also. Das kann ja noch spannend werden. Zuerst verkaufen die Mitglieder des “Friends & Family” Programms der hohen Kreise der Politik (also z.B. die Investmentbanken) ihre Aktienbestände an uns normale Trader und Kleinanleger. Dieses geschieht mit Hilfe der Finanzpresse: “alles halb so schlimm”, “Einrichtung einen Super-SIVs”, “Goldilocks”, “Starke Weltkonjunktur”, “Hilfsprogramm für überschuldete Hausbesitzer, call 1-888-ARMAGEDDON”, “Weitere Zinssenkungen werden es schon richten” etc. pp. Sind dann die Investmentbanken, ihre Manager und deren Kumpel aus dem gröbsten raus, so wird es plötzlich von der Fed heißen: “Oh, die extrem gestiegenen Preise von Öl, Lebensmitteln und Gesundheitskosten, die wir im CPI erst gar nicht berücksichtigen, sind auf die anderen Bereiche des Lebens durchgeschlagen. Wir müssen leider die Zinsen in fünf Schritten auf 7% anheben. Tut uns leid. Viel Glück.”
Ja, das Thema “Stagflation” wird wieder aktuell. Die Rede ist (jedoch) von Wahrscheinlichkeiten. Deinen Kommentar würde ich dahingehen relativieren, dass - wie es mir scheint - auch die Fed im Moment eine Spekulation (Stichwort wieder: “Wahrscheinlichkeit”) betreibt, und zwar: Sollte sich die Konjunktur abschwächen (was sie allen Indikationen und Logik tut), wird die Inflation auch (”automatisch”) zurückgehen.
Dann wären die Zinssenkungen (die, erstens, den Banken den nötigen Halt in der Krise geben, und, zweitens, die Konjunktur vor Rezession - vorauseilend - schützen sollen) das Richtige gewesen.
Im Grunde genommen - eine Wette gegen die Stagflation (mahnende Stimmen und Wahrscheinlichkeiten gibt es immer). Für die Mahner bleibt, dagegen zu wetten.
Nicht ganz zu vernachlässigen ist die Möglichkeit, dass solche Meldungen (wennauch wahrscheinlich nicht gerade diese) bezwecken, die langfristigen Zinsen ein Stückchen nach oben (psychologisch-argumentativ) zu heben und die Zinskurve etwas steiler zu machen (den Banken tut das gewöhnlich gut).
Hi Saviano!
“Sollte sich die Konjunktur abschwächen [], wird die Inflation auch (â€?automatischâ€?) zurückgehen.”
Wenn das wirklich der Fall wäre, d.h. wenn die Inflation bei einer sich abschwächenden Wirtschaft immer auch automatisch zurückginge, dann gäbe es den Begriff “Stagflation” gar nicht. Oder? Die Kosten für den Lebensunterhalt können sehr wohl im Umfeld einer sich abschwächenden Wirtschaft steigen (Energie, Lebensmittel, Gesundheit, etc.). Und so langsam deuten sich auch die Zweitrundeneffekte an, wenn man sich die Eintiegsforderungen von ver.di für die anstehenden Tarifrunden einmal zu Gemüte führt.
Ich meinte ja, die Fed “spekuliert” darauf. Natürlich ist die (theoretische) Möglichkeit einer Stagflation da (obwohl die letzte und einzige (?) Stagflation auch durch besondere Ereignisse (Boykott, politische Spannung, andere Wirtschaftsstrukturen in den USA und der Welt) begleitet wurde). Man kann nur vermuten, was kommt, wie wahrscheinlich etc. Ich glaube, die Fed wettet/hofft auf dieses “Automatische”. Wenn die Wette nicht aufgeht, haben wir wohl ein Problem…
Ah ja, wer richtig lesen kann, ist klar im Vorteil. Sorry.
[...] Preise mit einer stagnierenden Wirtschaft paaren. Gibt es Parallelen zu den 70er Jahren?” Tradesquest schreibt: “Wir stehen nicht am Anfang einer Stagflation, aber wir erhalten erste Symptome von ihr, [...]