In Teil 1 wurde das Candlestick Chartmuster der “Three Black Crows” gemäß der Definition von “Candlestick-Papst” Steve Nison erklärt. Wie ich dort auch beschrieben habe, habe ich die Bedingungen für das Auffinden relevanter “Three Black Crows” als Trendumkehr-Formation etwas erweitert und einige Beispiele im DAX gezeigt. Aufgrund von fehlenden bzw. schlechten historischen Daten wurden nur wenige “Three Black Crows” Formationen gefunden.

Für diesen zweiten Teil habe ich im S&P 500 nach den “Three Black Crows” gesucht. Eines aber noch vorweg: Da der S&P 500 und auch der Dow Jones zum Großteil Aktien enthalten, die an der NYSE gehandelt werden, kann man für diese Indizes die Candlestick-Analyse eigentlich vergessen. Der Handel in vielen Aktien an der NYSE startet nicht exakt um 9:30 Uhr (New York Zeit), sondern irgendwann innerhalb der ersten fünf Minuten. Das bedeutet, dass die Eröffnungskurse dieser Indizes (und anderer, die Aktien der NYSE enthalten) sehr, sehr nahe oder meistens exakt am Vortagesschlusskurs liegen und somit einfach schlichtweg falsch sind.

Das führt unter anderem dazu, dass im Dow Jones und im S&P 500 fast keine Gaps existieren. Schlimmer noch, manchmal kommt es dazu, dass eine Kerze grün ist, obwohl sie rot sein müsste. Auch die Körper der Kerzen sind meistens falsch: falsche Dojis, falsche Morning, Evenig und Shooting Stars usw. Also, wenn Ihr irgendwo eine auf Candlesticks basierende Analyse des Dow oder des S&P seht, dann sofort weg damit. Das ist meiner Meinung nach reine Zeitverschwendung.

Wenn man diese Indizes mittels der Candlestick Charttechnik analysieren will, sollte man besser auf die entsprechenden ETFs, den DIA und den SPY zurückgreifen. Diese ETFs bilden die Indizes ab, werden vorbörslich gehandelt und eröffnen deshalb mit dem “wahren” Preis. Das ist gut in den folgenden Charts zu sehen. Die eingekringelten Kerzen haben in den Charts unterschiedliche Farben, selbst die Chartmuster unterscheiden sich: am 9.3. haben wir im S&P 500 ein doji, im SPDR aber nicht.

Tageschart des S&P 500 vom 8.6.2007 Tageschart des SPDR vom 8.6.2007

Bei allen Mustern, Indikatoren und Systemen muss man sich natürlich immer darüber im Klaren sein, dass es keine 100%ige Trefferquote gibt. Mir ist zumindest kein Beispiel bekannt. Wer eins kennt, nimmt bitte diskret per E-Mail mit mir Kontakt auf. ;-)

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Da ich historische Daten vor 1993 für den SPY nicht gefunden habe, habe ich die Suche nach den “Three Black Crows” trotz der oben angesprochenen Probleme für die Zeit vor 1993 im S&P 500 durchgeführt, da bei dem Muster der Eröffnungskurs nicht übermäßig wichtig ist. Dabei habe ich die gleichen Regeln im S&P 500 wie schon beim DAX verwendet. Los geht’s mit den Charts:

Tageschart des S&P 500 vom 25.10.1962

Guter Treffer, das Hoch im Jahr 1962 wurde ziemlich genau gefunden.

Tageschart des S&P 500 vom 1.2.1966

Im Jahr 1966 gab es ein ungültiges Signal und ein Signal vor einer drastischen und schnellen Korrektur, bevor es mit steigenden Kursen weiter ging.

Tageschart des S&P 500 vom 31.10.1969

Auch das Hoch im Jahre 1968 konnte durch die “Three Black Crows” sehr gut identifiziert werden.

Tageschart des S&P 500 vom 2.12.1977

Im Jahr 1977 wurde das Top erneut mit einem präzisen Timing durch die “Three Black Crows” vorausgesagt.

Tageschart des S&P 500 vom 1.7.1981

Der nächste Treffer wird im Jahr 1980 gefunden, hat aber mit einer Trendumkehr im Markt nicht das geringste zu tun.

Tageschart des S&P 500 vom 30.10.1981

Anfang April 1981 wurde ein korrektes “Three Black Crows” Signal gefunden, der Markt drehte nach unten.

Tageschart des S&P 500 vom 26.4.1984

Nach dem Treffer im Mai 1983 folgt dagegen kein starker Kursrückgang, sondern eher eine volatile, seitwärts gerichtete Bewegung.

Tageschart des S&P 500 vom 1.6.1987

Auch der Treffer im Juli 1986 stellt eher eine kurze Konsolidierung als eine Trendumkehr dar.

Tageschart des S&P 500 vom 6.1.1988

Wesentlich interessanter ist 1987, das Jahr des großen Börsencrash. Hier traten wie im Jahr 2000 im DAX gleich mehrere “Three Black Crows” auf, unter anderem eines genau am Hoch und ein zweites nur wenige Tage vor dem Crash. Beeindruckend.

Tageschart des S&P 500 vom 1.10.1990

Auch Ende 1989 und in der ersten Hälfte des Jahres 1990 war das Chartmuster wieder ein guter Indikator, sowohl für die Trendumkehr, als auch für das zugehörige Timing.

Tageschart des S&P 500 vom 28.2.1992

Anfang 1991 war das Signal jedoch nicht besonders hilfreich.

Die weiteren mit meinen Parametern ab dem Jahr 1995 gefundenen “Three Black Crows” im S&P 500 und im SPY werde ich in Teil 3 vorstellen.

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