BMW Vorzugsaktien preisgleich mit den Stammaktien
In einem Kommentar zu dem Beitrag Short selling ist ja soooo einfach… fragt “Master of Disaster” (ich hoffe, der Name ist nicht Programm):
Mache ich hier einen Denkfehler? Heute stach mir folgendes ins Auge: Im Vergleich zu der Vergangenheit notiert die Vorzugsaktie von BMW (mit den sensationellen 2ct Dividendenvorteil) fast auf gleichem Niveau wie die BMW – Stämme. Könnte ich jetzt hier theoretisch auf eine Erweiterung des Abstands zugunsten der Stammaktie wetten, indem ich BMW Vorzugsaktien leerverkaufe und dafür BMW Stammaktien kaufe?
Kein Denkfehler. Die beschriebene Spekulation auf eine bessere Performance der Stammaktie im Vergleich zu der Vorzugsaktie ist so durchaus möglich. Allerdings kauft BMW regelmäßig Vorzugsaktien zurück, um sie als Beteiligung am Unternehmen an die Belegschaft auszugeben. Wie immer machen Angebot und Nachfrage den Preis. Auch der Chart spricht eine eindeutige Sprache: die Nachfrage nach Vorzugsaktien bei BMW ist seit einigen Jahren im Vergleich zur Stammaktie enorm gestiegen. Kennt jemand einen Fall, in dem die Vorzüge teurer als die Stämme sind bzw. waren?
Vielen Dank für deine fachkundige Auskunft.*-:)
Es gibt zur Zeit einige DAX-Titel bei denen sich die Vorzugsaktien besser entwickelt haben als die Stämme.
Das sind Fresenius (FRE und FRE3), Henkel und Metro.
Metro allerdings mit nur einer Hand voll Vorzugsaktien im Umlauf. Bei Henkel beträgt die Differenz etwa 10 % und das bereits über einen sehr langen Zeitraum.
Bei MAN und VW zahlt man erwartungsgemäß eine höhere Prämie für das Stimmrecht auf der HV. Auf Basis der Theorie hätte ich jedenfalls nicht erwartet, dass Vorzugsaktien auf gleichem oder höherem Niveau notieren würden als die dazugehörigen Stämme.
Auf diese Systematik bin ich im Rahmen der Recherche für meine Diplomarbeit (BWL) aufmerksam geworden. Mein Thema ist die Theorie und Empirie der Dividendenzahlungen in Deutschland. Der Vergleich von Aktien der gleichen Gesellschaft mit unterschiedlichem Dividendenanspruch (also Stämme vs. Vorzüge mit Überdividende) ist einer der Wege auf denen ich die beliebte finanzwirtschaftliche Theorie von der Irrelevanz der Dividende untersuchen will.
Du hast natürlich recht damit, dass es noch andere Einflussfaktoren den Kurs wie z.B. den Aufkauf von Belegschaftsaktien gibt.
Prinzipiell halte ich es aber schon für möglich bei besonders starken Bewertungsunterschieden auf eine kurzfristige Angleichung zu spekulieren.
Ein frohes Rest-Osterfest wünscht der
Master of Disaster (Sebastian Koch)
“Theorie von der Irrelevanz der Dividende” – hört sich ja interessant an. Viel Erfolg!
Es geht darum, dass eine Aktie soviel wert ist, wie sie dem Aktionär über ihre gesamte Lebenszeit an Cash-Zufluss einbringt.
Damit sind die jährlichen Dividenden, mögliche Bezugsrechte und Kurssteigerungen gemeint. Die zukünftigen Zahlungen werden abgezinst, je nachdem in wieviel Jahren sie anfallen (Der Euro den ich heute bekomme ist mehr Wert als der Euro, den ich erst in 10 Jahren bekomme).
Soviel zum ‘fairen’ Wert der Aktie.
Da nur die Cash-Zuflüsse über den Wert einer Aktie entscheiden ist die Höhe der Dividende irrelevant. Wenn die Theorie stimmt wäre es also für die Preisbildung egal ob eine AG 5% oder 95% ihres Jahresüberschuss an die Aktionäre ausschüttet.
Ob’s so ist will ich für deutsche Aktien untersuchen.
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.
Faust I, J. W. von Goethe