Short selling ist ja soooo einfach…
Diesen Eindruck vermitteln zumindest Aussagen wie “Hedge Fonds können auch bei fallenden Kursen Gewinne machen” oder “Shorties sind für den Kurseinbruch bei der Aktie XY verantwortlich”. Weil (bisher) nur wenige Privatanleger die Möglichkeit haben, Aktien leerzuverkaufen, erscheint vielen der Leerverkauf von Aktien mysteriös und geheimnisvoll.
Das Prinzip ist aber grundsätzlich recht einfach. Stellen wir uns einmal ein komplett leeres Depot ohne Aktien und ohne Geld vor. Wenn ich darauf spekulieren will, dass der Kurs einer Aktie steigen wird, dann leihe ich mir Geld und kaufe entsprechend die Aktie. Wenn die Spekulation aufgeht und der Aktienkurs steigt, dann habe ich als Gewinn die Differenz zwischen dem höheren Verkaufspreis und meinem niedrigeren Kaufpreis, abzüglich der Transaktionskosten und den Zinsen für das geliehene Geld.
Wenn ich darauf spekulieren will, dass der Kurs einer Aktie fallen wird, dann leihe ich mir die Aktien, verkaufe sie und bekomme eine entsprechende Summe Geld gutgeschrieben. Wenn die Spekulation aufgeht und der Aktienkurs fällt, dann habe ich als Gewinn die Differenz zwischen dem höheren Verkaufspreis und meinem niedrigeren (Rück-)Kaufpreis, abzüglich der Transaktionskosten und den Zinsen für die geliehenen Aktien. Es ist also praktisch in beiden Fällen der gleiche Vorgang, nur dass Kauf und Verkauf in ihrer zeitlichen Reihenfolge vertauscht vorgenommen werden.
Natürlich gibt es aber auch noch Unterschiede. Es ist vermutlich weitestgehend bekannt, dass man beim Kauf von Aktien das gesamte eingesetzte Kapital zu 100% verlieren kann. Nehmen wir als Beispiel eine Aktie der Firma “DSDS” (einem aufstrebenden Unternehmen aus der Musikindustrie) mit einem aktuellen Kurs von 5,22 EUR. Wir erwarten, dass der Kurs steigen wird und kaufen 1000 Aktien zu insgesamt 5220 EUR. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass es sich bei DSDS um eine betrügerische Briefkastenfirma handelt. Die Aktie wird vom Handel ausgesetzt und verfällt wertlos. Die 5220 EUR, also 100% des eingesetzten Kapitals, sind verloren. Das tut weh.
Nehmen wir nun zum Vergleich die Aktie der Firma “DNDN”, eine nach unserer Meinung völlig überbewertete US-BioTech-Klitsche. Wir erwarten, dass der Kurs fallen wird, shorten 1000 Aktien zum aktuellen Kurs von $5,22 und bekommen dafür $5220 gutgeschrieben. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass das Unternehmen gute Aussichten hat, eine neue Therapie zur Behandlung von Prostatakrebs durch die FDA genehmigt zu bekommen. Die Aktie eröffnet zu einem Kurs von $18. Der Verlust beträgt in diesem Fall ($18,00 – $5,22) x 1000 = $12780, also ca. 250% des eingesetzten Kapitals. Da es sich hier um ein Gap handelt, nützt der engste Stopkurs nichts. Das tut richtig weh.
Es wird also deutlich, dass das Shorten von Aktien erheblich höhere Risiken birgt, als der normale Aktienkauf. Es handelt sich hierbei auch keinesfalls um ein rein fiktives Beispiel. DNDN ist das Kürzel für die Dendreon Corporation, deren Chart (Mausklick für größere Version) eine deutliche Sprache spricht (am 29.3. war die Aktie vom Handel ausgesetzt):
Bei DNDN wurden garantiert einige Depots abgefackelt. Das führt uns zu der Frage: “Welche Aktien kann man shorten, bei welchen lässt man es lieber bleiben?” Meiner Meinung nach sollte man nur Aktien shorten, die ein hohes Handelsvolumen aufweisen, und bei denen die Gefahr einer überraschend positiven Nachricht, die zum einem Gap von mehr als 5% führt, sehr gering ist. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der gesetzte Stoploss zum anvisierten Kurs ausgeführt wird.
Desweiteren ist es auch beim Shorten von Aktien falsch, das zu tun, was alle machen. D.h., wenn schon viele Marktteilnehmer in einer Aktie short sind, dann sollte man diese nicht auch noch shorten. Für US Aktien gibt es Daten über das sogenannte Short Interest:
In oben stehender Tabelle erkennt man, dass fast ein Drittel aller Aktien von DNDN (26,42 Mio. von 81,53 Mio. verfügbaren, also 32,50%) an Shorties verliehen und von diesen verkauft worden waren. Es ist also kein Wunder, dass es nach der positiven Unternehmensmeldung zu einem derart massiven Short Squeeze mit einem Kurssprung von deutlich über 200% kam, darunter vermutlich auch einige zwangsliquidierte Depots nach unerfüllten Margin Calls, in denen die Short-Positionen bestens glattgestellt wurden. Von solchen Aktien lässt man grundsätzlich die Finger, zumindest auf der Short Seite.
Neben drei Quellen für das Short Interest in amerikanischen Aktien habe ich auch noch eine Quelle für eine Liste von nur noch schwierig zu leihenden Aktien in meine Linksammlung unter “Tools > Marktinterna” aufgenommen. Vor dem Shorten einer US Aktie also unbedingt einen Blick auf das Short Interest werfen!
Mache ich hier einen Denkfehler? :-?
Heute stach mir folgendes ins Auge:
Im Vergleich zu der Vergangenheit notiert die Vorzugsaktie von BMW (mit den sensationellen 2ct Dividendenvorteil) fast auf gleichem Niveau wie die BMW – Stämme.
Könnte ich jetzt hier theoretisch auf eine Erweiterung des Abstands zugunsten der Stammaktie wetten, indem ich BMW Vorzugsaktien leerverkaufe und dafür BMW Stammaktien kaufe ?
Siehe BMW Vorzugsaktien preisgleich mit den Stammaktien
Shorten geht bei dax prognose ganz einfach. Was ist das Problem?
Hier gibts auch ganz nette Analysen und Kurs-Aussichten und automatisch handelnde Depots.