Spam-Mails mit Kaufempfehlungen für Aktien sind in den USA schon seit Jahren bekannt. Seit einiger Zeit schwappt aber auch eine Welle von Spam-Mails für deutsche Aktien durch das Internet. Meistens handelt es sich bei den beworbenen Aktien um Pennystocks mit hautengem Handelsvolumen, da bei diesen die Kurse am stärksten steigen, wenn erst einmal die Herde der gierigen Käufer aktiv wird. In den neuesten Fällen waren es Realquadrat Immobilien (GIV, WKN 587930, ISIN DE0005879308), K&M Möbel (KUM, WKN 630300, ISIN DE0006303001), CBB Holding (COB, WKN 544400, ISIN DE0005444004) und Popnet (PNZ, WKN 622810, ISIN DE0006228109), davor Agiv Real Estate (AGV, WKN 691132, ISIN DE0006911324), Amatech (TXA, WKN 519280, ISIN DE0005192801), Gontard + Metallbank (GMB, WKN 589050, ISIN DE0005890503), Adori (ADJ, WKN 665510, ISIN DE0006655103) und Artstor (HHS, WKN 549286, ISIN DE0005492862).

Wie läuft so ein Aktien-Spam wohl ab? Vermutlich suchen sich eine oder maximal wenige Personen eine Aktie für die Spam-Aktion aus. Diese Personen müssen Zugang zu einem spamfähigen Computernetz haben, wahrscheinlich über Trojaner auf nicht ausreichend geschützten Computern. Ist das Unternehmen ausgewählt, geht es an das Einsammeln der Aktien zu einem möglichst billigen Preis.

Diese Aktion darf nicht zu lange dauern, da auch auf dem Markt des Aktien-Spam die Konkurrenz gewiss nicht schläft, auch wenn sich die Teilnehmer mindestens in einer rechtlichen Grauzone befinden. Die Frage ist also, wie schnell man genug Aktien einsammeln kann. Wichtig dabei ist natürlich auch, dass man die Aktien möglichst unbemerkt einsammelt. Der sehr kleine Zirkel der eingeweihten Personen ist vermutlich professionell genug, nicht allen Freunden und Bekannten die nächste Spamrakete zu verraten, so dass die ganze Aktion mit der noch geheimen Aktie unter Verschluss gehalten werden kann. Aber da es sich wie gesagt meistens um Aktien mit sehr geringem Handelsvolumen handelt, ist es trotzdem schwierig, genug Aktien unbemerkt zu kaufen, ohne dass der Preis oder das Handelsvolumen schon zu stark ansteigen. Schließlich soll sich der Aktienspam für die Spammer ja auch lohnen.

Doch genau da liegt der Knackpunkt. Auch wenn nur einige wenige die nächste Aktie kennen, verrät uns Tradern das Handelsvolumen oft schon einige Tage im Voraus, welcher Pennystock als nächstes per Email-Spam beworben wird. Wie in dem Beitrag Wer ist der Nächste? schon beschrieben, kommt es oft vor solchen Empfehlungen, seien es nun Spam-Mails oder “seriöse” Börsenbriefe, zu einem Anstieg des Handelsvolumen, oftmals auch zu einem Volumenspike an einem Tag ohne nennenswerte Änderung des Aktienkurses, einem sogenannten “Silent Alarm”. Wenn man solche toten Pennystocks beobachten will, dann muss man unbedingt auf Veränderungen im Handelsvolumen achten, auch wenn der Kurs sich nicht von der Stelle rührt. Das Volumen, und nicht der Kurs, zeigen an, dass sich etwas tut.

Die Zunahmen im Handelsvolumen und auch die Volumenspikes kann man in den Charts der oben genannten Aktien gut erkennen. Man sieht auch deutlich, dass am zweiten Tag der Aktien-Spam Aktion das Hoch erreicht wird, und es danach schnell wieder in Richtung des ursprünglichen Aktienkurses vor der Spam-Aktion geht. Wer also am Montag noch in Realquadrat Immobilien long geht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld verlieren.

Tageschart von Realquadrat Immobilien vom 16.3.2007 Tageschart von K&M Möbel vom 16.3.2007 Tageschart von CBB Holding vom 16.3.2007 Tageschart von Popnet vom 16.3.2007 Tageschart von Agiv Real Estate vom 16.3.2007 Tageschart von Amatech vom 16.3.2007 Tageschart von Gontard + Metallbank vom 16.3.2007 Tageschart von Adori vom 16.3.2007 Tageschart von Popnet vom 16.3.2007
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