In dem aktuellen Beitrag “Fed wird bald senken” im Herdentrieb schreibt der Autor Dieter Wermuth “Es sieht jetzt immer mehr danach aus, als würde der nächste Zinsschritt eine Senkung sein.” und führt auch einige gewichtige Gründe wie z.B. den Rückgang der Industrieproduktion, der Rückgang der Einfuhrpreise, und den nahenden Kollaps deutlichen Rückgang auf dem Immobilienmarkt an. Der Autor beendet den Artikel mit einer Aussage zum seiner (und meiner) Meinung nach noch viel zu festen Dollar: “Dass die Märkte das nicht ganz so sehen, beunruhigt mich ein bisschen – vielleicht übersehe ich etwas.”

Wie gesagt und hier auch schon oft angedeutet erwarte auch ich eine Abwertung des Dollars gegenüber Euro und Yen, allerdings nicht hauptsächlich aufgrund von Zinssenkungen sondern einfach durch einen Abzug der Anlagegelder aufgrund einer sich deutlich verschlechternden Wirtschaft in den USA. Gründe gegen baldige Zinssenkungen in den USA und für einen bisher noch stabilen Dollar, die Dieter Wermuth eventuell übersehen hat, sind:

2007-02-09: Sandra Pianalto, Präsidentin und CEO der Federal Reserve Bank von Cleveland
Sandra Pianalto sieht in der zurückgehenden Kerninflation ein ermutigendes Zeichen, ist aber noch nicht davon überzeugt, dass die Inflation nach unten tendiert. Das Bild der nationalen Inflation sei in den zurückliegenden Jahren durch starke Schwankungen bei den Energie-, Rohstoff-, und Immobilienpreisen verschleiert worden. Wenn sich diese Märkte normalisieren, werde man ein klareres Bild des zugrunde liegenden Trends in der Inflation bekommen und womöglich weitere Inflationsrisiken erkennen können. In diesem Fall würden weitere Zinsanhebungen in Abhängigkeit der Prognosen von Inflation und Wirtschaftswachstum notwendig sein. (A Policymaker’s Perspective on Monetary Policy and the Economy)
2007-02-09: Richard W. Fisher, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank von Dallas.
Fisher würde weitere Erhöhungen der Zinsen nicht ausschließen, wenn die Inflation wieder die Oberhand gewinnen sollte. In der Tat würde er sich sogar aggressiv dafür einsetzen. (Brief Comments on the Economy and the Business of the Dallas Fed)
2007-02-16: Michael H. Moskow, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank von Chicago
Für Michael Moskow ist es noch viel zu früh zu sagen, dass man sich um die Inflation keine Sorgen mehr machen muss. Moskow bespricht einige wichtige Sektoren wie die Makroökonomie, den Immobilienmarkt, den Konsum, die gewerblichen Investitionen, den internationalen Handel, sowie deren Auswirkung auf die Inflation. Seine Schlussfolgerung ist, dass die Wirtschaft in den USA sehr gut läuft, und daher die Risiken einer zu hohen Inflation diejenigen eines zu geringen Wirtschaftswachstums überwiegen. Somit können weitere Zinsanhebungen nötig sein, um diese Inflationsrisiken zu beseitigen. (U.S. Economic Outlook)

Wenn ich mich nun von der Fed und den offiziellen Aussagen und Statistiken einmal löse und auf die Märkte schaue, komme ich ebenfalls zu der Schlussfolgerung, dass die Inflation in den USA alles andere als im Griff ist:

Gold
Der Goldpreis, immer schon ein guter Indikator für die Inflation, ist aus seiner Konsolidierung nach oben ausgebrochen.
Lebensmittel
Die Preise für die grundlegenden Nahrungsmittel wie Mais, Sojabohnen, Weizen und Hafer sind seit Oktober in die Höhe geschossen (frei nach dem Motto “Ich fahre mit Bioethanol zum Bäcker, aber der hat keinen Weizen mehr für die Brötchen.”). Ein Blick auf die Charts der entsprechenden Futures beim Chicago Board of Trade (CBOT) lohnt sich auf jeden Fall.
Gesundheitswesen
Die Preise im Gesundheitswesen sind bereits dermaßen aus dem Ruder gelaufen, dass Präsident Bush gerade heute vor wenigen Stunden dazu eine Ansprache im Radio mit den Worten eröffnete: “Today I would like to talk to you about an urgent priority for our Nation: confronting the rising costs of health care.” (Ich möchte heute über eine dringende Priorität für unsere Nation sprechen: den steigenden Kosten im Gesundheitswesen entgegenzutreten.)

Alles in allem sieht mir dass nicht nach einer gezähmten Inflation in den USA aus – vielleicht übersehe ich etwas.

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