Immer wieder lese ich, dass noch viel Geld der Anleger (private wie institutionelle) sich “an der Seitenlinie” befinde und somit noch nicht die Gefahr einer Blase bestehe. Ich frage mich dann, was bzw. wo ist diese Seitenlinie? Haben die Anleger ihr Geld in Form von Münzen und Banknoten wirklich physisch in einer Schublade oder bei größeren Mengen in einem Kellerraum gelagert? Vermutlich nicht. Das Geld befindet sich wahrscheinlich auf einem Bankkonto oder einem Sparbuch. In diesem Fall ist man aber nicht im Besitz von Geld, sondern quasi von einem von der Bank unterschriebenen Schuldschein. Wo sich das Geld wirklich befindet, wissen wir nicht. Wir vertrauen einfach der Bank, dass wir es zurückbekommen, wenn wir mit unserer Platikkarte an einen entsprechenden Automaten gehen. Wir können ja einmal spaßeshalber in Deutschland einen Aufruf starten, dass alle Bürger am 2. April (der erste ist leider ein Sonntag) zur Bank gehen und sich alle Guthaben auszahlen lassen sollen. Das wird aber bestimmt nicht lustig…

Viel Geld fließt derzeit in Geldmarktfonds. Aber ist dieses Geld wirklich an der Seitenlinie? Ich habe bisher nicht von einem Geldmarktfond gehört, der Geld in irgendeiner Art physisch lagert, ganz im Gegenteil zu einigen ausländischen Gold-ETFs, die zur Zeit ca. 560 Tonnen des Edelmetalls physisch lagern. Das heißt, auch das Geld, das in Geldmarktfonds fließt, wird anderswo investiert, hauptsächlich in Termingeldern, Schuldscheindarlehen, Bankguthaben und Anleihen mit kurzer Laufzeit. Aha, das Geld wird also weiter verliehen, und auch die Geldmarktfonds haben “nur” Schuldscheine in der Hand. Damit sich das rentiert, muß das Geld natürlich mit einer höheren Rendite verliehen werden, als der Geldmarktfond ausschüttet. Das bedeutet, dass das Geld im Laufe dieser Kreditketten immer höhere Renditen erzielen und somit auch in immer risikantere Anlageformen fließen muss.

Aber wo bleibt das Geld letztendlich? Wo sind die Milliarden, die in Kapitallebensversicherungen, Rentenversicherungen usw. stecken? Wer leiht sich so viel Geld, dass sich anderswo bei Anlegern als Guthaben “an der Seitenlinie” befindet? Am 12. Januar las man z.B. im Immobilienteil der FAZ, LaSalle wolle viele Milliarden Dollar in Immobilien investieren (€). Darin steht, die Immobilienfonds würden “in erheblichem Maße mit Fremdkapital ausgestattet”. Was das bedeutet, erfährt der Leser ein paar Zeilen später: So sind z.B. zwei Asien-Fonds geplant, die mit 0,5 Mrd. bzw. 1,5 Mrd. Dollar Eigenkapital und weiteren 2 Mrd. bzw. 4 bis 6 Mrd. Dollar Fremdkapital ausgestattet werden sollen. Als Zielrendite der Immobilienfonds würden 10% bis 15% angepeilt.

Auch die privaten Finanzinvestoren (Private Equity oder auch “Heuschrecken”) nutzen einen großen Hebel durch den Einsatz von wenig Eigenkapital verglichen mit dem Anteil durch Fremdfinanzierung, um die hochgesteckten Renditeerwartungen der Anleger erfüllen zu können. Vor der möglichen Folgen warnte Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), am 11. Januar 2007 in Frankfurt am Main auf dem Neujahrspresseempfang der BaFin:

Das gilt in besonderem Maße auch für den Umgang mit Leverage-Buy-Outs. In den vergangenen drei Jahren haben private Finanzinvestoren hohe Milliarden-Beträge in den Kauf deutscher Unternehmen gesteckt – überwiegend waren das Investoren aus dem Ausland. Sie scheinen derzeit über fast unbegrenzte Mittel zu verfügen. Die volkswirtschaftliche Bewertung dieser Übernahmewelle ist politisch umstritten – doch das ist nicht mein Thema. Als Aufseher interessiert mich das Finanzierungsgebaren, und das ist aggressiver und riskanter geworden. Unbeeindruckt von den gestiegenen Übernahmepreisen setzen Investoren weiter darauf, dass ihre extremen Rendite-Erwartungen erfüllt werden können. In fast allen Fällen wird dazu das vorhandene Eigenkapital massiv durch die Aufnahme von Fremdkapital gehebelt, wobei viele der eingesetzten Finanzierungskomponenten – etwa die Rekapitalisierung – erhoffte Steigerungen des Unternehmenswertes vorwegnehmen.

Zwar betrieben die kreditgebenden Banken ein aktives Risikomanagement, aber dieses habe weder den “Test härterer Zeiten bestehen müssen”, noch kann nicht ausgeschlossen werden, das einige Banken “das eine oder andere Risiko übersehen haben, das in solchen hochkomplexen Konstruktionen steckt”. Na klar, Risiken werden über Credit Default Swaps weitergegeben, und zwar in rasant, ja fast schon blasenartig steigendem Umfang, aber, so Sanio weiter,

kann überhaupt noch irgendwer erkennen, bei wem die Risiken endgelagert sind? Der Risiko-Kartograph muss noch gefunden werden, der uns dafür eine verlässliche Karte zeichnen könnte. Die Marktteilnehmer bewegen sich in einer “terra incognita”. Ich frage mich, wie dort Marktdisziplin auch nur ansatzweise funktionieren soll.

Also, wo ist das Geld der nicht investierten Anleger? Wo ist Dein Geld? An der “Seitenlinie”? Oder befindet es sich bereits über mehrstufige Kreditketten als Fremdkapital in den riskanten Investitionen von Immobilienfonds, Hedge-Fonds, Private Equity etc.?

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