Heute wird wieder einmal mit Spannung – eventuell sogar mit mehr Spannung als sonst – die Entscheidung des Federal Open Market Committee (FOMC) zur weiteren Geldpolitik der Federal Reserve in den USA erwartet. Soweit ich die Marktkommentare richtig gelesen und gedeutet habe, erwartet der überwältigende Großteil (ich las etwas von 85% bis 90%) der Marktteilnehmer, dass die Zinsen heute unverändert bei 5,25% bleiben. Also ist diese Alternative schon im Markt so gut wie eingepreist. Eine Minderheit erwartet die weitere Möglichkeit einer Anhebung auf 5,50%. Höhere Anhebungen oder gar Zinssenkungen sind eher unwahrscheinlich und würden den Markt vermutlich aus den Fugen heben.

Der Grund für die Annahme einer Beibehaltung von 5,25% sind die Daten einer sich abschwächenden Wirtschaft, genauer eines sich abschwächenden Wirtschaftswachstums, und die Aussagen von Ben Bernanke und einiger seiner Kollegen. Schaut Euch nur einmal die Tage an, an denen es in den letzten Wochen diese starken Rallys von +2% gegeben hat. Jedesmal gab es Nachrichten über ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums oder “Alles halb so schlimm” Reden seitens der Fed. Desweiteren trifft sich das FOMC bereits wieder Mitte September, so dass man spätestens in einem Monat eine eventuell notwendige Zinserhöhung vornehmen kann. Das würde den Amerikanern auch nicht die Ferien und den Urlaub verderben. Schafft die Fed also das von allen herbeigesehnte soft landing der US Konjunktur?

Gegen eine Zinspause und für eine Erhöhung der Leitzinsen spricht die weiterhin vorhandene Inflation, die sich in höheren Verbraucherpreisen und höheren Einkommen widerspiegelt. Eine gute wöchentliche Zusammenfassung findet man immer bei Barron’s Online in der Rubrik Simply Economics für die USA und unter Int’l Perspective für den Rest der Welt. Da die Fed die Geldmenge M3 so hoch geschraubt hat, dass sie sie nicht mehr veröffentlicht, weiß man nicht mehr genau, wie viel Geld im Umlauf ist, und es kann gut sein, dass selbst 5,50% nicht ausreichen, um die liquiditätsgetriebene Inflation im Zaum zu halten. Allerdings gibt es Schätzungen zur Geldmenge M3: M3 is back. Und die sehen nicht gut aus. Stagnierende Wirtschaft und liquiditätsgetriebene Inflation? Wir werden sehen.

In der folgenden Tabelle habe ich meine Erwartungen bezüglich der Marktreaktion auf die heutige Entscheidung und den Ausblick auf die Sitzung des FOMC im September in einer Tabelle zusammengefasst. Hellgraue Felder halte ich für ausgeschlossen, also heute eine Erhöhung und im September eine Senkung der Zinsen oder umgekehrt. Eine Erhöhung der Zinsen heute dürfte für die meisten unerwartet kommen und die Inflationsangst wieder aufkeimen lassen, also wird es in diesem Fall zu fallenden Kursen (rot) kommen. Ebenso eine Beibehaltung unter Andeutung einer Anhebung im September in der Art “Wir vom FOMC sehen deutliche Inflationsrisiken…”. Eine Beibehaltung mit gleichbleibendem Ausblick der Art “Wir haben alles im Griff” ist meiner Meinung nach schon sehr weit eingepreist, sollte aber für Ruhe, Stabilität, und moderat steigende Kurse (hellgrün) sorgen. Ein Ausblick auf sinkende Zinsen (”Wir vom FOMC haben die Inflation besiegt!”) halte ich zwar für sehr unwahrscheinlich. Dieser dürfte aber ein wahres Kursfeuerwerk auslösen (dunkelgrün). Eine Senkung käme völlig unerwartet und dürfte die Angst schüren, dass die Fed es mit der Zinsschraube bereits überzogen hat, und wir uns auf dem Weg in eine Rezession befinden.

  Ausblick
 
Zinsen      
     
     

Meine Erwartungshaltung ist vorsichtig bearish, der Short-Einstieg ist vorbereitet. Allerdings werde ich nicht den Helden spielen, und mich daher nicht bereits vor 20:15 Uhr aufgrund meiner unmaßgeblichen Meinung positionieren. Das wäre Wetten, nicht Trading.