Bevor Ihr den gesamten Artikel lest, schaut Euch bitte einmal den folgenden Chart an und überlegt, ob – und wenn ja, wo – Eure Trading-Regeln ein Signal zum Einstieg in die Aktie (short oder long) geliefert hätten. Falls es von Interesse sein sollte, es handelt sich um einen 5-Minuten-Chart aus den USA, also von 15:30 Uhr bis 22:00 Uhr.

Ein möglicher Long-Einstieg, der auf dem allgemeinen Konzept von Expansion und Kontraktion beruht, und den ich oft bei Aktien mit einem gap up einsetze, lautet: “Gehe long, wenn der Kurs nach einer seitwärts oder leicht abwärts gerichteten Konsolidierung aus einem vorangegangenen NRB nach oben ausbricht.” Ein NRB ist ein sog. Narrow Range Bar, also ein Balken, der sehr klein im Vergleich zu den vorhergehenden Balken ist. Der Vorteil von diesem Einstieg ist, dass man den Stop sehr eng unter den NRB setzen kann. Entweder läuft die Aktie weiter, oder man ist sehr schnell wieder aus dem Trade heraus.

Daraus hätten sich für mich bei obigem Bilderbuch-Chart die drei mit A, B und C gekennzeichneten möglichen Longeinstiege ergeben. “Hätten” deswegen, weil diese Aktie nicht auf meiner Watchlist war. Aber selbst wenn sie auf meiner Watchlist gewesen wäre, bin ich mir nicht sicher, ob ich die Trades gemacht hätte. OK, Einstiegsregeln und Money Management (Stops und Positionsgröße) sind vorhanden, und Vertrauen in die Handelsregeln auch, schließlich wende ich diese bei Eröffnungsgaps verschiedener Größe an. Aber die Psyche und die Emotionen lassen sich niemals ganz unterdrücken. Und mal ganz ehrlich Hand auf’s Herz, hätte jemand von Euch bei A, ganz zu schweigen von B und C, noch einen Longeinstieg gewagt? “Wieso nicht?” fragt Ihr Euch vielleicht. Naja, schaut Euch einmal den Chart mit Kursangaben an. Also: Schaue nicht auf die bisherigen relativen oder absoluten Kursgewinne oder -verluste. Vertraue dem Chart, denn der Chart lügt nicht.

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