Die amerikanische Delphi Corporation (ISIN: US2471261055) gab am Samstag bekannt, dass Delphi und 38 US-Konzerngesellschaften (ausländische Töchter sind nicht betroffen) am Samstag, dem 8. Oktober, in New York freiwillig Antrag auf Geschäftsumorganisation nach Chapter 11 des US-Konkursrechts gestellt haben (siehe auch Beitrag auf FN). Wie man im Chart erkennen kann, war die Gefahr einer Insolvenz bereits bekannt. Delphi selbst hatte schon mit der Beantragung von Gläubigerschutz bis zum 17. Oktober gedroht, wenn keine Einigung mit der ehemaligen Konzernmutter General Motors und den Gewerkschaften erzielt werden kann. Der Aktienkurs von Delphi war in den letzten Wochen stark unter Druck und ist vom Hoch Mitte August bei $6,68 unter kontinuierlich steigendem Handelsvolumen um 67% auf einen Schlusskurs von $2,20 am Donnerstag gefallen.

Chart von Delphi Corporation vom 8.10.2005
Chart von Delphi Corporation vom 8.10.2005

Nachdem am Donnerstag Abend bekannt wurde, dass Delphi von der Gewerkschaft der United Auto Workers (UAW) starke Einschnitte gefordert hat (z.B. Herabsetzung der Stundenlöhne von $27 um mehr als die Hälfte auf $10 bis $12, Reduzierung der Beiträge zur Krankenkasse, Verkürzung des Urlaubs, etc.), gab es dann am Freitag kein Halten mehr. Die Aktie von Delphi brach nach einem Eröffnungskurs von $2 (-9,1%) auf bis zu $1,03 (-53,2%) ein. Schlusskurs war $1,12 mit einem Minus von fast 50%. Delphi ist damit von der Bilanzsumme der größte Insolvenzfall in der amerikanischen Autozulieferindustrie, und auf Platz 13 in der Liste der größten Insolvenzfälle in den USA.

Da am 17. Oktober das Gesetz zur Beantragung von Gläubigerschutz zu Ungunsten der beantragenden Firmen geändert wird (siehe den Beitrag US Fluggesellschaften beantragen Gläubigerschutz), dürften in der nächsten Woche noch einige weitere Insolvenzanmeldungen folgen. Nachfolgend sind die entsprechend der Überschriften größten bisherigen Insolvenzen jeweils unter Angabe der Firma, des Datums und der Bilanzsumme aufgelistet (Daten von BankruptcyData.com).

Die größten Insolvenzfälle unter Automobilzulieferern in den USA:

  1. Delphi Corp. (2005) $ 16,593,000,000
  2. Federal-Mogul Corp. (2001) $ 10,150,000,000
  3. Collins & Aikman Corp. (2005)$ 3,196,700,000
  4. Tower Automotive Inc. (2005) $ 2,846,406,000
  5. Hayes Lemmerz Intl Inc. (2001) $ 2,801,500,000
  6. Breed Technologies Inc. (1999) $ 1,649,900,000
  7. Venture Holdings Co. LLC (2003) $ 1,416,131,000
  8. GenTek Inc. (2002) $ 1,164,800,000
  9. Oxford Automotive Inc. (2004) $ 888,660,000
  10. Oxford Automotive Inc. (2002) $ 750,730,000
  11. Harvard Industries Inc. (1997) $ 617,710,000

Die größten Insolvenzfälle in den USA:

  1. Worldcom Inc. (2002) $103,914,000,000
  2. Enron Corp. (2001) $ 63,392,000,000
  3. Conseco Inc. (2002) $ 61,392,000,000
  4. Texaco Inc. (1987) $ 35,892,000,000
  5. Financial Corp. of America (1988) $ 33,864,000,000
  6. Global Crossing Ltd. (2002) $ 30,185,000,000
  7. Pacific Gas and Electric Co. (2001) $ 29,770,000,000
  8. UAL Corp. (2002) $ 25,197,000,000
  9. Delta Air Lines Inc. (2005) $ 21,801,000,000
  10. Adelphia Communications (2002)$ 21,499,000,000
  11. MCorp (1989) $ 20,228,000,000
  12. Mirant Corp. (2003) $ 19,415,000,000
  13. Delphi Corp. (2005) $ 16,593,000,000
  14. First Executive Corp. (1991) $ 15,193,000,000
  15. Gibraltar Financial Corp. (1990) $ 15,011,000,000
  16. Kmart Corp. (2002) $ 14,600,000,000

Die größten Insolvenzfälle in den USA im Jahr 2005:

  1. Delta Air Lines Inc. (14. September) $ 21,801,000,000
  2. Delphi Corp. (8. Oktober) $ 16,593,000,000
  3. Northwest Airlines (14. September) $ 14,042,000,000
  4. Collins & Aikman Corp. (17. Mai) $ 3,196,700,000
  5. Tower Automotive Inc. (2. Februar) $ 2,846,406,000
  6. Winn-Dixie Stores Inc.(21. Februar)$ 2,618,891,000
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